Zauber einer Weihnachtsnacht – Hausgeburt an Heiligabend

Wir wollen das Jahr mit einer zauberhaften Geburtsgeschichte von Sandra & Norman ausklingen lassen und allen Mut machen, deren Geburten noch bevor stehen. Lieben Dank allen tollen Menschen, die uns im Laden besucht haben und ihre Geschichten mit uns geteilt haben. Wir freuen uns auf das kommende Jahr!


„Umarmt eure Kinder fest! Und sagt ihnen, wie sehr ihr sie liebt!“

Ich bin Sandra, 26 Jahre jung und hier erzähle ich von unserer Geburt an Heiligabend vor einem Jahr.
Wir erwarteten unser erstes Kind und bereiteten uns auf eine Hausgeburt mit Hebamme vor. Unser Kind sollte Anfang Januar zur Welt kommen.
Eine Hausgeburtshebamme zu finden, ist für werdende Eltern nicht ganz einfach. Frühzeitig kümmerten wir uns und hatten Glück. Dennoch kam das Leben dazwischen. Denn unser Kind wollte schon an Heiligabend zu uns. Unsere Hebamme war im wohlverdienten Urlaub, die vertretende Hebamme stand plötzlich aufgrund eines familiären Todesfalls nicht zur Verfügung.

Weihnachten hat etwas Magisches

Dieses Jahr wollten Norman und ich Heiligabend allein verbringen und erst an den Feiertagen unsere Familien besuchen. Wir stellten uns vor, wie wir auf der Couch liegen, Weihnachtsfilme gucken, Tee trinken, dazu etwas futtern und den Abend entspannt ausklingen lassen. Ich liebe die Weihnachtszeit, da sie für mich etwas Magisches hat. Nicht nur diese vielen schimmernden Lichter, welche den Gang durch die dunklen Straßen zu einem zauberhaften Erlebnis machen. Auch die starken Energien der Rauhnächte sind bereits deutlich spürbar. Die Zeit, in der alles langsamer geht, die Zeit der Heimkehr, der Rückschau, man ist in sich gerichtet…

Wenige Wochen zuvor hatte ich mich, wie so oft, mental mit meinem Kind unterhalten. Auf meine Bitte, ob wir nicht einfach diese eine Woche noch warten können, kam ein vertrauensvolles „Mach dir keine Sorgen, wir werden das schon schaffen.“ und sowas wie ein Lächeln. Ich war mir nicht sicher, wie ich das interpretieren sollte und ließ es vorerst so stehen.

Obwohl wir trotzdem gehofft hatten, dass unser Baby aufgrund der Hebammenbetreuung entweder vor oder nach der Weihnachtswoche kommt und ich in diesen Tagen gefühlt etliche Tassen Geburtstee getrunken hatte, beschlich uns immer mehr das Gefühl, dass es womöglich doch in dieser Woche so weit sein könnte. Bei dem Gedanken fühlte ich mich anfangs verunsichert und spielte die Situation mehrmals in meinem Kopf durch. Würden wir in unsere Wunschklinik fahren, in der wir uns einen Platz gesichert hatten oder zuhause bleiben? Oder doch ins Geburtshaus fahren…? Die Anspannung verflog schnell, als ich für mich die Entscheidung traf, mich nicht mehr mit diesen Vorstellungen und „was wäre, wenn“ zu beschäftigen, sondern einfach vertraue. Vertraue, dass mein Körper im Zusammenspiel mit unserem Baby genau im richtigen Augenblick bereit sein wird. Ich erinnerte mich wieder an die Worte meines Kindes, wodurch ich mich entspannen und alles vertrauensvoll fließen lassen konnte.

Kein Platz für den Weihnachtsbaum

Am Nachmittag des 24.12.2017, so gegen 13.30 Uhr – wir wollten uns gerade einen Film ansehen – bemerkte ich beim Gang zur Toilette eine rosafarbene Flüssigkeit. Ich rief meine Hebamme an, die zu der Zeit einige Hundert Kilometer entfernt ihre Familie besuchte. Da sie mir nicht eindeutig sagen konnte, ob es ein Blasensprung war, sollte ich der Klinik meine Situation schildern. Aber die diensthabende Hebamme auf der Geburtsstation beruhigte mich und meinte, dass es sich laut meiner Beschreibung um den abgehenden Schleimpfropf gehandelt habe. Nun hatten wir die Wahl einer betreuten Krankenhausgeburt in unserer Wunschklinik oder einer Alleingeburt zuhause.

Nachdem ich einen kurzen Augenblick überlegte, fiel die Entscheidung. Ich fühlte mich sicher und wohl. Auch Norman sprach mir Mut zu und war ebenfalls voll im Vertrauen. Wir waren uns sicher: Diese Geburt wird ruhig, klar und kraftvoll! Wir blieben zuhause.

Langsam begannen die ersten Wehen, die wellenartig alle 10 Minuten für etwa 50 Sekunden kamen. Da ich Wirsingkohlsuppe liebe und Lust darauf hatte, begannen wir mit dem Schneiden von Kartoffeln und Kohl. Während die Suppe köchelte, nahm ich ein Wannenbad um die Wehentätigkeit zu beobachten. Sie kamen zu diesem Zeitpunkt alle 3 bis 5 Minuten für circa eine Minute. Anschließend telefonierte ich noch einmal mit meiner Hebamme und veratmete gemeinsam mit ihr am Telefon eine Wehe. Es tat gut, ihre Stimme zu hören. Wir entzündeten unsere Geburtskerze und stellten ein paar kleine Kraftsymbole auf. Platz für einen Weihnachtsbaum hatten wir in diesem Jahr nicht. An dieser Stelle im Wohnzimmer hatte Norman zwei Tage zuvor den Geburtspool aufgebaut.

Heimelige und wohltuende Atmosphäre

Ich saß gerade auf dem Gymnastikball und atmete mit den Wehen, als unsere Doula gegen 20 Uhr bei uns zuhause eintraf. Draußen war es bereits dunkel geworden.
Wir befestigten ein Tragetuch an unserer Badezimmertür, in das ich mich hineinhängen und einfach alles fallenlassen konnte. Das tat ich auch – mit einem Teller unserer leckeren Suppe, die nun fertig war. Ich verweilte für einige Zeit im Tuch, forderte immer wieder Nachschlag und stellte meine Suppe während der Wehen einfach auf den nebenstehenden Katzenbaum – wie praktisch. Wo wir doch erst überlegt hatten, das große Teil zu entsorgen. Zum Glück stand der noch!

Norman füllte inzwischen den Geburtspool mit Wasser und gab neben Meersalz auch wunderbar duftende Wildrosenessenz hinzu. Durch die Salzkristalllampen wurde unser Wohnzimmer von warmem, orangefarbenem Licht durchflutet. Die ganze Atmosphäre war sehr heimelig und wohltuend. Gegen 20.30 Uhr begab ich mich ins Wasser, worin ich mich leicht und geborgen fühlte.

Wann kommt endlich der Oxytocinrausch?

Zu Beginn unterhielten wir uns gut und machten viele Späße. Ich fragte noch, wann denn „nun endlich der Oxytocinrausch“ kommen würde und ob das jetzt wirklich die Geburt sei. Wir harmonierten sehr miteinander und ich war froh über die Unterstützung dieser beiden wundervollen Menschen. Dann nahm die Intensität der Wehen langsam zu. Es wurde anstrengender und ich benötigte meine Kraft zunehmend für mich selbst. Norman streichelte mir sanft den Kopf, reichte mir hin und wieder ein Glas Wasser und sprach mir kraftvolle Worte zu. Auch unsere Doula ermunterte mich, jetzt mutig zu sein und mich zu öffnen, um mein wundervolles Kind zu empfangen.

So wie bereits während der Schwangerschaft standen mein Baby und ich auch unter der Geburt in intensivem Kontakt. Es ließ mir Zeit, bis ich wirklich bereit war mich zu öffnen. Ich wusste, dass es nun an mir lag. Wenn ich so weit bin, wird es durch mich hindurchgleiten. Ich gab mich dem Geschehen vollkommen hin und ließ jeden Widerstand, der jetzt vielleicht noch da war, los.

Kurz darauf kam ich jedoch an den Punkt, an dem vermutlich jede gebärende Frau steht und dachte: „Ich halte es nicht mehr aus.“ Der Druck wurde so stark, dass ich eine Pause einlegen und „nach Hause gehen“ wollte um mich auszuruhen. Aber mein Kind gab mir zu verstehen, dass wir jetzt nicht mehr aufhören konnten.
Im nächsten Augenblick bekam ich einen unglaublichen Drang zu drücken. Ich gab ihm nach und schob mein Becken, während ich am Poolrand kniete, etwas nach vorn und richtete meinen Oberkörper instinktiv auf. Ungefähr viermal bekam ich diese gewaltige Kraft zu spüren. Ich erlebte jede Sekunde und war vollkommen präsent. Als ich ein leichtes Brennen spürte, wusste ich, dass dies nur das Köpfchen sein konnte. So stellte ich mein Bein auf und mein Kind ist in einem Schwung aus mir heraus ins warme Wasser geschwommen.

Ich habe meinen Sohn geboren!

Aus meiner eigenen Kraft. Er war so friedvoll, hielt die Augen sanft geschlossen und war vollkommen entspannt. Während er in meinem Arm weiter ruhte, lehnte ich mich an den Rand des Pools und schaute ihn mir einfach nur an. Er ist so perfekt, so vollkommen. Ich konnte nicht fassen, was da gerade passiert war. Für mich war ein Kind immer das Allergrößte im Leben. Aber wie groß dieses Allergrößte sich anfühlt, spürte ich erstmals in diesem Augenblick. Das Licht unserer Geburtskerze hielt den magischen Raum für unseren Heiligen Abend.

Wir legten uns gemeinsam auf die Couch und genossen die ersten Stunden zu dritt bis ins Morgengrauen. Die Welt schien stillzustehen in dieser Nacht. Liebe und eine tiefe Glückseligkeit durchströmten mich. Da war er also: der Oxytocinrausch.

Am ersten Weihnachtsfeiertag riefen wir unsere Familien an, die wir nun doch nicht mehr besuchen wollten und schrieben unseren engsten Freunden. Jeder einzelne teilte seine Freude mit uns, was mich sehr berührte. Da aber nun gerade Weihnachten war, wollte ich – wie jedes Jahr – unbedingt meinen Lieblingsweihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gucken und so kam Norman meinem Wunsch nach, obwohl er kein Fan davon ist. Vielleicht haben ja auch Papas nach der Geburt einen Oxytocinrausch und können uns vor lauter Liebe keinen Wunsch entwehren. So murmelten wir uns auf der Couch ein, dazu Chips und Tee, unser Baby schlafend auf meinem Bauch und verbrachten unseren ersten gemeinsamen Tag als Familie.

Ein Bericht von Sandra W.

Zeit statt Zeug

Der Dezember ist, laut einer Umfrage, der stressigste Monat des Jahres. Das Herzinfarktrisiko steigt in der Weihnachtszeit und an Heiligabend rapide an. Wir sind bestrebt jedem eine Freude zu machen und vergessen dabei oft uns selbst. Neben dem ganz normalen Alltagswahnsinn basteln wir jetzt noch Weihnachtsdeko und wollen Geschenke schön verpacken, verbringen stundenlang im Internet auf der Suche nach weiteren Geschenken. Wo ist da nur unsere Zeit geblieben?

Und was es an Weihnachten noch zu bedenken gibt: Wie ist das eigentlich mit der Ökologischen Bilanz, wenn ich stets bestelle? Denn jedes Paket wird extra verpackt und versendet. Von den miserablen Arbeitsbedingungen bei manchen großen Onlinehändlern abgesehen, leiden auch die lokalen Geschäfte und somit die eigene Stadt in der wir leben. Am Ende sind es vielleicht sogar Geschenke, die keiner will, nach einem Jahr kaputt sind und auf der Fensterbank verstauben.

Wäre es nicht passender Zeit zu verschenken statt Zeug?
Zeit mit dem neuen Baby, Zeit um sein Leben auf mehr Nachhaltigkeit umzustellen (wird auch langsam Zeit, die Weltmeere und Traumstrände verdrecken), Zeit mit der besten Freundin einen Abend verbringen mit vielen Frauenthemen. Denn vielleicht ist es Zeit in deinem Leben etwas zu verändern und dafür braucht es nicht viel Zeug. Unsere Kurse begleiten dich auf bei deinem Weg und bieten dir Hintergrundwissen das lebensecht überprüft ist.

Wer unter all den Kursen nichts für sich und seine Lieben findet, dem sei rund um das Schenken dennoch eines ans Herz gelegt: Qualität statt Masse. Lieber etwas mehr Geld ausgeben für ein Produkt, dass langlebig ist und Umwelt sowie Ressourcen schont. Einmal kaufen statt alle Jahre wieder.

Gutscheine für einen Kurs oder für alles was doch nicht mehr an Weihnachten ankommt, gibt es bei uns im Laden. In der Vorweihnachtszeit haben wir Montag bis Freitag 10–18 Uhr offen und samstags 10–16 Uhr. Am 24.12. nur nach vorheriger Absprache. Hier geht es zu unserer Kursübersicht: www.der-pachamama-laden.de/kursangebote.

Wir wünschen eine besinnliche WeihnachtsZeit!

Das Team vom Pachamama-Laden
Madelaine und Nathalie

„Wenn das Baby erstmal da ist, ist der Schmerz vergessen.“

Für einen Moment vielleicht…

Am 25.11. ist Roses Revolution. Zum Anlass des weltweiten Tages gegen Gewalt in der Geburtshilfe möchten wir mit einem Beispiel voran gehen und ein Zeichen setzen. Auch du kannst daran Teil nehmen indem du an dem Ort der Erfahrung eine Rose niederlegst und/oder einen Brief schreibst. Denn Tatsache ist: tagtäglich findet auch in Deutschland Gewalt unter der Geburt statt. Laut Tara Franke (Hebamme und Sexualpädagogin) ist diese Form der Gewalt mit ähnlichen Folgen wie nach sexuellem Missbrauch behaftet und unterliegt ganz unterschiedlichen und in erster Linie subjektiven Empfindungen und reichen von körperlich sichtbar bis hin zu seelisch versteckt.


Ich bin Nathalie Gräbner, 24 Jahre alt und möchte meine Erfahrung mit euch teilen. Deshalb veröffentliche ich hier meinen persönlichen Brief an zwei Krankenhäuser.

Als Erstgebärende mit 16 Jahren ging ich sehr unbefangen an dieses Thema heran. Irgendwann jedoch wurden die Stimmen lauter und ich hörte von allen Ecken, wie schmerzhaft so eine Geburt ist. Horrorgeschichten soweit das Auge reicht. Normalität, dachte ich. „Da mussten wir alle durch. Hinterher ist alles vergessen.“

Schön wäre es.

Kommen wir zum Tag der Geburt meines ersten Kindes. Beim Niesen platzte mir zuhause im Bett die Fruchtblase. Kurze Zeit später befand ich mich auf der Entbindungsstation des Krankenhauses. Laute Schreie einer Gebärenden begrüßten mich. Nach dem CTG kam ich auch schon in den Kreißsaal und sollte erstmal zur Toilette. „Halten Sie die Hand drunter, falls der Kopf kommt“, waren die Worte der Hebamme. Während ich meinen Mund nicht mehr zu bekam, verließ sie das Zimmer.
Die Wehen wurden heftiger und ich versuchte auf dem Bett eine möglichst angenehme Position zu finden. Die Hebamme war sichtlich überrascht, als sie nach einiger Zeit ins Zimmer zurückkehrte und mich dabei sah, wie ich bereits meine Wehen veratmen musste. Daraufhin sagte sie in ziemlich barschem Ton: „Legen Sie sich auf den Rücken!“ Ich versuchte ihr klarzumachen, dass es seitlich für mich besser sei, aber das interessierte sie nicht. Ihr Ton wurde lauter. Kurz darauf begannen die Presswehen und mein wunderschöner Junge sollte bald das Licht der Welt erblicken. Sein Kopf bereitete mir ziemliche Probleme, also warf sich die inzwischen dazugekommene Ärztin mit ihrem ganzen Körpergewicht auf meinen Bauch und versuchte von oben das Baby herauszudrücken. Dieser Schmerz war unbeschreiblich. Heute weiß ich, dass dieses Vorgehen einen Namen hat. Das sogenannte „Kristellern“ bringt oftmals schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene mit sich. Es fiel mir durch die Ärztin noch viel schwerer zu Pressen und irgendwann ließ sie glücklicherweise von mir ab. So gebar ich meinen Sohn ohne ihr zutunn und schloss ihn einfach glücklich in meine Arme.

Ja, die Schmerzen waren kurzzeitig vergessen.

Zumindest, bis sie ihn mir aus den Armen nahmen und der Meinung waren, ihn baden zu müssen. Nachdem die Nachgeburt ebenfalls ziemlich schmerzhaft aus mir herausgedrückt wurde, sagte man mir, dass sie mich nun nähen würden. Nähen? „Warum?“, fragte ich und erfuhr, dass man mir einen Dammschnitt verpasst hatte. Ohne zu fragen. Ohne überhaupt etwas zu erwähnen. Bis heute frage ich mich warum, denn eigentlich sollte eine Hebamme alles zum Schutz des Dammes unternehmen und wenn dann ist das Reißen immer noch der natürlichere Weg. Dank meines jugendlichen Leichtsinns habe ich mir keine weiteren Gedanken über die Geburt meines ersten Kindes gemacht. Es war ja ganz normal…

Sieben Jahre später, bei der Geburt meiner Tochter in einem anderen Krankenhaus, kam es aber leider noch viel schlimmer.

Vier Tage vor dem errechneten Termin platzte meine Fruchtblase (dachte ich) zu Hause und wir machten uns auf den Weg. Nachdem mir das CTG verpasst und der Papierkram erledigt wurde, wollte die Hebamme nach dem Muttermund schauen. Dieser lag aber so weit hinten, dass sie ihn nicht zu fassen bekam und in mir herumstocherte, ohne Erfolg. Ich bekam einen Einlauf und wurde in den Kreißsaal gebracht. Schon beim ersten Kind war der Wunsch nach einer Wannengeburt sehr groß und beim Zweiten wollte ich es unbedingt durchsetzen. Ich ging in die Wanne und fühlte mich sehr wohl, aber es passierte nicht viel. Die Wehen blieben aus und die Hebamme wurde nervöser. In der Wanne ist ihr das zu unsicher, sagte sie und ich musste raus.

Ich fühlte mich wie eine Kuh.

Die Herztöne des Babys waren laut CTG auffällig und das könnte dann gefährlich werden in der Wanne, hieß es. Mir wurde ein Wehentropf verpasst und unzählige Male wurde nach dem Muttermund geschaut. Sowohl von der Hebamme, als auch von der Ärztin. Ich fühlte mich mittlerweile wie eine Kuh. Beim zweiten Kind sollte doch eigentlich alles noch schneller gehen als beim Ersten, aber dem war nicht so. Als der Wehentropf langsam Wirkung zeigte, knallte es am CTG. Das war das wirkliche Platzen der Fruchtblase. Zu Hause war sie scheinbar nur angerissen gewesen. Es fühlte sich für mich alles so unnatürlich an.

Hebamme und Ärztin wurden immer gestresster.

Ständig fielen Sätze wie: „Die Herztöne verschlechtern sich.“, „Eventuell Kaiserschnitt.“, „Es wäre schön, wenn das Baby bis zum Ende der Schicht da ist.“. Ich fühlte mich furchtbar dabei zu wissen, dass ich mich beeilen sollte. Mein Körper signalisierte mir deutlich den Beginn der Presswehen und so sagte ich zu der Hebamme, dass ich gerne drücken möchte. Diese untersagte es mir allerdings mit der Begründung, dass mein Muttermund noch nicht vollständig geöffnet sei. Ich kam aber nicht gegen das natürliche Verlangen meines Körpers an und versuchte vorsichtig etwas mitzuschieben. Die Ärztin untersuchte zum wiederholten Male meinen Muttermund und ein unglaublicher Schmerz durchdrang meinen gesamten Körper. Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Ich bekam schlecht Luft und hatte das Gefühl gleich das Bewusstsein zu verlieren. Sie hatte mir den Muttermund per Hand geöffnet! Nachdem ich kaum noch sprechen konnte, gab man mir zusätzlichen Sauerstoff. Von da an war ich nur noch in Trance.
Meine Tochter war geboren, aber der Schmerz war noch da. Er war nicht vergessen, wie bei meinem ersten Kind. Die Kleine weinte heftig und sehr lange. Ich bin mir sicher, dass dieses Erlebnis auch bei ihr Spuren hinterlassen hat.

Panikattacken verfolgen mich seitdem.

Nun wird meine Tochter bald zwei Jahre alt und seither kämpfe ich mit Panikattacken. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Bis auf den nicht mehr vorhandenen Schmerz sind die Gefühle, wie im Moment vor der Geburt, geblieben. Kontrollverlust, Angst, keine Luft bekommen. All das begleitet mich seitdem. Vielleicht wird es mit einer künftigen Therapie besser, das wird die Zeit zeigen. Ich wünsche es mir für mich selbst.

Eines möchte ich Ihnen mitgeben, liebe Frau Doktor M.:

Das hat wehgetan! Sehr, immer noch und wird mich niemals vergessen lassen!

Ich hoffe, dass all die Frauen, die künftig in ihr Krankenhaus kommen, um ihre Kinder dort zur Welt zu bringen mit mehr Würde und Respekt, aber vor allem gewaltlos behandelt werden. So, wie es verdammt nochmal jede gebärende Frau verdient hat! Sie haben in keinster Weise das Recht zu Schneiden, ohne die Frauen vorher um Einverständnis zu fragen! Sie haben nicht das Recht, Frauen in diesen wehrlosen Momenten Angst zu machen und immer wieder auf angeblich „schlechte Herztöne“ hinzuweisen, nur, weil sie nicht wie auf dem Silbertablett vor Ihnen liegen und stattdessen in einer anderen Geburtsposition sein wollen. Weil Ihnen dieser natürliche Verlauf zu lange dauert, sie zu unerfahren in der Geburtshilfe sind und mir als Gebärende nicht vertrauen, wollen Sie mit einem Kaiserschnitt einschreiten und es als „Notwendigkeit“ tarnen. Aber ich sage Ihnen etwas: Das ist mein Körper und meine Geburt und so etwas passiert mir nie wieder!
Ich weiß, dass es vielen Frauen ähnlich ergeht und aus diesem Grund setze ich mich für all die stillen Frauen ein, die mit diesen Erinnerungen schweigend leben.

Gewalt hat in der Geburtshilfe nichts zu suchen! Geburten sind nicht schrecklich und schmerzhaft. Aber durch dieses Vorgehen werden sie es! Geburt ist eure Reise mit eurem Kind. Informiert euch, sucht Alternativen, nehmt eine Doula in Anspruch. Eine Tätigkeit, die hier leider noch zu wenig Anerkennung findet. Begebt euch in Therapie, wenn ihr Unverdautes aufarbeiten müsst. Aber schweigt nicht länger. Macht euch stark für euch selbst, für unsere Töchter, unsere Enkelinnen und alle Frauen, die in unserem Land ihre kleinen Wunder auf die Welt bringen werden. Nur so kann sich etwas verändern.

Kita-Eingewöhnung ohne Tränen

Seit einer Woche geht meine Tochter in einen Kindergarten. Sie wird in wenigen Tagen drei und war vorher bei einer wirklich wundervollen Tagesmutter untergebracht. Zum Thema Fremdbetreuung hat jeder so seine eigene Meinung und die wird gerade in den sozialen Medien heiß diskutiert: Zwischen „Am besten schickt man sein Kind mit 8 Monaten in die Krippe, dann bekommt es am wenigsten mit.“ über „Ich muss arbeiten gehen, mir bleibt nix anderes übrig.“ bis zu „Mein Kind bleibt bis zum 3. Lebensjahr zuhause.“ verteidigt jeder sein eigenes Lebensmodell. Aber keiner spricht darüber wie es denn nun gehen kann mit der Eingewöhnung. Es gibt die Standard-Eingewöhnung von 2 Wochen und die wird selten angefochten. Ich habe mir die ernsthafte Frage gestellt: Ist es normal, dass mein Kind weint und muss es einfach da durch?

Welchen Weg gibt es noch?

Hier spreche ich ausschließlich aus meiner eigenen Erfahrung.

Frühjahr 2017 – Unsere Tochter ist gerade 1,5 Jahre alt. Bis dahin haben wir sie selbst betreut. Mit Elternteilzeit des Vaters und meiner Selbstständigkeit war das möglich. Aber auch anstrengend. Nach seiner Schichtarbeit war er für unsere Tochter da und ich wechselte in den Laden. Ging es gar nicht anders, habe ich das kleine Krabbelkind einfach mitgenommen. Schnell haben wir gemerkt, wie wenig Paar wir noch waren. Die Funktion war ausgeprägter als die Emotion. Gesehen haben wir uns zur Übergabe oder abends im Bett. Als unsere Beziehung endete, war Helena gerade ein Jahr und drei Monate. Unsere Entscheidung für die Betreuung war gefallen. Wir haben leider kein gut funktionierendes Familiennetzwerk – entweder wohnen die Großeltern zu weit weg oder müssen selbst arbeiten, ebenso wie Tanten und Cousinen. Für ein reibungslos funktionierendes Betreuungssystem sehen wir uns einfach zu selten. Da wirkt dann auch ein Familienangehöriger wie ein Fremder auf unsere Tochter.

Eingewöhnung nach dem empfohlenen Schema …

Wir entschieden uns für eine Tagesmutter. Familiäres Umfeld, geringe Anzahl an Kindern, es wird selbst gekocht und mit viel Phantasie gespielt. Die Eingewöhnung begann im April. In der ersten Woche machte sie sich prima; war neugierig und aufgeschlossen. In der zweiten Woche wurden häufigere und längere Trennungen herbeigeführt – nach dem empfohlenen Schema in der Fremdbetreuung. Nicht nur meiner Tochter, sondern auch mir kullerten dicke Tränen die Wangen runter. Meine Schmerzen habe ich mit vielen Menschen geteilt. Die Reaktionen waren nicht immer mitfühlend. Häufig kamen Antworten wie: „Das ist ganz normal.“, „Sie hat das ganz schnell vergessen.“, „Es wird ihr guttun.“, „Es sind die Eltern die sich nicht trennen können.“, „Du hast sie zu viel umhergetragen und gestillt.“, „Wenn sie eine gute Bindung hätte, würde es ihr ganz einfach fallen.“. BÄHM.

Die Tage ab der zweiten Woche waren furchtbar. Helena ließ mich nicht mehr los. Ich konnte nicht den Müll ohne sie runterbringen und verrichtete meine Notdurft mit Kind auf dem Schoß. Man bedenke: Zu diesem Zeitpunkt war ich schon alleinerziehend. Ein absolutes No-Go für mich. So konnte ich meinen Alltag unmöglich durchhalten. Am schlimmsten waren für mich allerdings die Nächte. Sie wimmerte im Schlaf oder wachte schreiend und weinend auf. Jede Nacht. Natürlich war unsere Tochter vorbelastet durch die Trennung ihrer Eltern. Aber war das wirklich richtig? Dann zog ich die Reißleine.

Zurück auf Anfang.

Ich vereinbarte mit der Tagesmutter abendliche Treffen, damit wir erst einmal die Räumlichkeiten beschnuppern konnten. Das gab mir außerdem die Gelegenheit die neue Ersatzmama kennenzulernen. Wir haben tolle Gespräche geführt. Nun hatte ich mehr Sicherheit, dass meine Tochter in guten Händen war während meiner Abwesenheit. Ja, es spielt eine Rolle für die Eingewöhnung, ob ich mich als Mutter trennen kann. Wir sind nun mal eine Einheit – meine Tochter und ich. Nur weil wir körperlich (abgesehen vom Stillen) selbständige Individuen sind, heißt das nicht, dass wir es auch emotional sind. Das nennt man Bindung! Und die möchte ich nicht durch ein vorgegebenes Raster zerstören. Letztendlich ist es doch so: Habe ich ein gutes Gefühl, überträgt es sich auf mein Kind. Eltern die sich wohlfühlen vermitteln ihrem Kind: Hier ist alles in Ordnung, hier wird sich gut um dich gekümmert.

  

Die weitere Eingewöhnung funktionierte prima. Wir kamen schließlich am Nachmittag, als nur noch ein bis zwei Kinder dort waren. Jetzt da sie die Räume kannte und wusste wo ihre Lieblingsspielzeuge lagen, waren auch die anderen Kinder kein Problem mehr. Das Vertrauen wuchs. Ich wartete täglich, bis sie allein von meinem Schoß aufstand und in den Raum ging oder dem Angebot der Tagesmutter nachging. Schließlich siegte ihre Neugierde. Als sie eine Stunde spielte ohne mich zu beachten, ging ich nach Fragen und Verabschiedung aus dem Raum. Erst kurz, dann länger. Dann blieb sie eine Weile Mittagskind. Und schließlich schlief sie auch dort. Ich stillte übrigens die ganze Zeit weiter. So bekam sie immer die Rückversicherung, die sie brauchte. Kurz auftanken und verarbeiten bei Mama und weiter. Ja, alleine – also mit den anderen Kindern und begleitet von der Erzieherin – einschlafen klappte vom ersten Tag an reibungslos. Trotz stillen. Trotz, dass sie bei mir vorher niemals ohne Brust eingeschlafen war (ausgenommen Tragetuch und Kinderwagen). An dieser Stelle möchte ich unserer Tagesmutter danken, dass sie sich auf diese Eingewöhnung über sechs Wochen eingelassen hat. Des Weiteren hast du anderthalb Jahre so wundervolle Arbeit geleistet, Geschichten erzählt, gesungen und getanzt. Unsere Tochter hat sich toll entwickelt und nimmt einige herzerfüllende Freundschaften mit. Wir sind nun schon eine Woche in der neuen Kita. Helena ruft dich jeden Tag an und möchte mit dir sprechen. Außerdem fehlen ihr ihre Freunde.

Im neuen Kindergarten wird es ein Klacks, dachte ich insgeheim.

Herbst 2018 – In unserer Stadt ist die Betreuung durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater bis zu einem Alter von drei Jahren gewünscht. Also ziehen wir um in eine Kita. Nur fürs Protokoll: Mir hat leider keine hundertprozentig zugesagt, aber dazu mehr in einem anderen Artikel.
Es war nicht leicht, so einem kleinen Wesen zu erzählen, warum es jetzt eine vertraute Person, die sie so ins Herz geschlossen hat, nun nicht mehr wieder sehen würde. Meine Entscheidung bereue ich zu keinem Zeitpunkt. In einer Krippe hätte es keine Garantie gegeben, dass ein und dieselbe Betreuungsperson über lange Zeit bleibt. So war es mir für den Einstieg lieber. Den neuen Kindergarten haben wir über ein halbes Jahr mehrmals besucht. Die Freude war ihr anzumerken. Große Kinder, neues Spielzeug, Tiere zum Verpflegen. „Mama muss in den Laden zur Arbeit, Helena geht in den Kindergarten zur Arbeit.“, konnte ich mir täglich anhören. Das wird ein Klacks, dachte ich insgeheim.

Dennoch, als die Eingewöhnung begann, war alles anders. Schüchtern verkroch sie sich hinter mir. Wich mir erst mal nicht vom Schoß. Na gut, kapitulierte ich. Es dauert eben so lang wie es dauert. Ich nehme mir gern die Zeit, damit du dich hier wirklich wohlfühlst. Auf die Reaktion der neuen Erzieherin war ich dann allerdings doch nicht vorbereitet. Am ersten Tag herrschte eine gestresste Stimmung. Das Lachen, die freundliche Begrüßung und die Herzlichkeit der Tagesmutter fehlten mir sehr. Wie es wohl Helena damit ging? Schon am ersten Tag bat die Erzieherin mich, morgen für eine Stunde den Raum zu verlassen. Sonst würde meine Tochter sie nicht annehmen und mit ihr interagieren. Oh, oh. Na klar waren wir vorher schon mehrmals zum Anschauen dort. Aber der Alltag mit 15 Kindern ist dann doch etwas anderes. Hinzu kommt die Trennung der Tagesmutter, der gewohnten Umgebung und der Freunde. Lasst dieses Kind doch erst mal die neue Situation verarbeiten! Fühlt euch ein! Woher kommt nur dieser Zeitdruck? Kinder werden dadurch nicht weniger selbständig. Im Gegenteil: Haben sie Rückhalt von Mama und Papa, gehen sie viel selbstbewusster in die Welt und vor allem ohne Angst. Zu wissen es ist immer jemand da, der einen auffängt, egal was kommt. Schönes Gefühl, oder?

Nur ohne Tränen, bitte.

Der zweite Tag kam und wieder wurde auf die Trennung bestanden. Ich erinnerte mich zurück an die erste Eingewöhnung und sagte nachdrücklich: „Gern, aber nur, wenn sie einwilligt. Und nur ohne Tränen.“ Große Augen starrten mich an. Gefühlt brach jetzt etwas auf. Ich wurde mehr ernstgenommen. Als Kooperationspartner wahrgenommen. Ich fragte meine Tochter, ob ich mal kurz zum Telefonieren rausgehen kann und sagte dass ich gleich wieder reinkomme. „Nein.“ „Die Erzieherin möchte dir den neuen Raum zeigen und erkunden wo alles steht. Du darfst gern mitgehen.“ Kurzes Überlegen. „Ich komme gleich wieder.“ „Ok.“. Geschafft. Ohne Tränen.

Jeden Tag aufs Neue werde ich fragen, ob ich gehen darf. Denn jeder Tag ist anders. An manchen Tagen braucht sie den Rückhalt mehr, an anderen weniger. Es ist für mich viel schöner, wenn mein Kind aus freien Stücken dorthin geht. Gewollt. Nicht gezwungen. Nur so wird sie das alles und auch die Erzieherin annehmen. Weil sie diesen Menschen lieben lernt. Wie eben in anderen Beziehungen auch. Deshalb hier noch etwas wichtiges auf den Weg:

Bitte liebe Erzieher, gebt mir das Gefühl, dass ihr meine Tochter mit genauso viel Liebe behandelt wie ich es tue. Bitte begegnet ihr auf Augenhöhe. Bitte nehmt sie und ihre Bedürfnisse ernst, egal in welchem Alter. Werdet nicht übergriffig. Führt nichts ungefragt aus. Falls ihr einen Fehler gemacht habt, entschuldigt euch und zeigt ihr Respekt. So wie es jeder Mensch verdient hat. Ob groß, ob klein.

Zero Waste Workshop

Am 2. August um 18.30 Uhr im pachamama-Laden

Strategien und Wege zur Müllvermeidung.

Zero Waste heißt übersetzt: Kein Müll. Die Weltmeere schwimmen in Plastik – das ist nichts neues mehr. Viele Produkte werden einmal benutzt und landen dann auf dem Müll, im Glauben, dass es dort recycelt wird. Doch wusstest du, dass nur etwa 30% unseres Verpackungsmülls wiederverwendet wird? Der Rest landet in Kleinstteilen mit dem Fisch wieder auf unserem Teller. Oder gar in unserem Trinkglas. Denn Microplastik – überwiegend in Reinigungs- und Kosmetikartikeln enthalten – kann nicht aus dem Leitungswasser gefiltert werden.

Reuse – Reduce – Recycle

Du wirst erstaunt darüber sein, was alles waschbar und wiederverwendbar ist und wie wenig Müll in deinem Haushalt entstehen kann, sodass du bald nur noch eine Erdbeerschale pro Woche dafür brauchst.

„Was kann ich allein schon tun?, dachte sich
die halbe Menschheit.“

In unserem Workshop zeigen wir dir, wie du mit kleinen Tricks im Alltag, großes bewirken kannst.  Das spart vor allem deinem Geldbeutel, aber auch viel Zeit. Im Handumdrehen ist eine Mülltüte aus Zeitungspapier gefaltet, eine Zahnpasta angerührt oder der Mascara fertig. Alle Materialien werden von uns gestellt. Deine DIY-Produkte kannst du selbstverständlich mit nach Hause nehmen.


Am 2. August um 18.30 Uhr kannst du an unserem 2-Stunden-Einführungsworkshop teilnehmen. Zoi und Anna erklären alle Begrifflichkeiten, was du dafür brauchst und wie du es in deinem Alltag umsetzen kannst.

Mit vorheriger Anmeldung bei Madelaine unter 0176 21700264 bist du mit einem Spendenbeitrag von 5-10 Euro dabei.

Woher kommt der Muttertag?

Gern werden wir als Familien- und Mamaladen betrachtet. Deshalb widmen wir uns diesmal dem Muttertag. Nur, was ist denn eigentlich genau der Muttertag?

Ursprünglich gab es in vielen Kulturen der Welt Tage, an denen Mütter geehrt wurden. Im Matriarchat, die ursprünglichste Form des Miteinanders, galt die Betrachtung der Frau und der Mutter generell als heilig. Sie war es, die das Leben in die Welt brachte. Sie war es, die das Leben nährte und dadurch wesentlich das Wachsen förderte.

Die Urmutter
Auch unser Laden heißt übersetzt: Mutter Erde. (Pacha Mama). Wir haben damals bei der Namensuche viele Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Pacha Mama – ob das wohl zu spirituell für Brandenburg klingt? Zu Öko? Zu Abseits?

Natürlich wollten wir bewusste Produkte und Angebote in unser Repertoire aufnehmen. Aber unser Wunsch war es vor allem auch, ALLE Eltern zu erreichen. Und das beginnt mit der Wirkung des Ladennamens. Pacha Mama – Erde Mutter, oder auch Welt Mutter/ Kosmos Mutter. Der Name stammt von den indigenen Völkern Südamerikas. Hier gilt noch die tiefe Verbindung zur nährenden und alles hervorbringenden Mutter Erde als achtenswert. Das Volk führt selbstständig ihr Fest zu Ehren der Pachamama aus, bei dem mit Opfergaben vor allen für den Schutz und das Lebens gedankt wird. Durch den Einzug des Christentums gab es eine tolerierte Vermischung mit der Marienfigur, die ähnliche Attribute trägt.

Finde deine Identität als Mutter
Ecuador ging so weit, dass 2008 Pachamama als ein Grundprinzip in die Verfassung aufgenommen wurde. Vor allem auch, weil sie für Identität und Widerstandsfähigkeit steht. Wünschen wir unserer Mutter Erde, dass sie noch lange und gut besteht.

Also wünschen wir das doch auch uns als Mutter! Dass wir mit Identität und Widerstandsfähigkeit gesegnet werden mögen. „Wachsen mit Liebe und Halt“ ist Zusatz auf unserem Logo. Unsere Kinder können nur aufrecht gedeihen, wenn wir ihnen Liebe und Halt zugleich geben. Es erfordert in der heutigen Zeit oft eine ganze Menge an Mut. Denn Aufrichtigkeit kann nur entstehen, wenn ich als Mama auch wirklich aus meiner eigenen Mitte agiere. Und die entspricht selten den Vorstellungen einer zivilisierten Gesellschaft in der alle gleich sein sollen.

Der Muttertag
So verwundert es nicht, dass 1644 in England der „Mothering Day“ als Familienfestmahl Einzug erhielt. Wie sehr musste sich die Industriegesellschaft nach der Verehrung der hart arbeitenden Mütter sehnen, die so arm an wirklichen Riten und Bräuchen geworden ist. Die Ehr der Frauen und Mütter wurde in aufstrebenden Ländern über viele Jahrhunderte hinweg regelrecht Abgeschafft. 1858 kam der „Mothering Day“ dann nach Amerika und wurde dort 1914 mittels Kongressbeschluss von Präsident Woodrow Wilson als offizieller Ehrentag von Müttern festgelegt.

Die weißen Nelken führte übrigens 1907 die Methodistin Anna Marie Javis ein, die vorerst zu Ehren ihrer verstorbenen Mutter, später für alle Mütter, anfing, am 2. Sonntag im Mai weiße Nelken zu verteilen. Natürlich nutzte jedes Regime ihre eigenen Möglichkeiten, den Muttertag auch politisch zu verzerren. Während der Weimarer Republik fingen bereits Blumen- und Pralinenhersteller an, den durch die Heilsarmee mitgebrachten Brauch zu nutzen und so ihre tiefe Verehrung der Mütter darzustellen. Nicht zuletzt darf hier natürlich eine Gewinnorientierte Absicht unterstellt werden. Ebenso nutzte der Nationalsozialismus diesen Ehrentag sehr ausführlich, galt es doch bewusst früh möglichst auf die nächste Generation Einfluss zu nehmen. Und wie könnte man(n) das besser, als den Müttern vorne weg ihren Tag mit dem Ehrenkreuz der deutschen Mutter zu versüßen, während hinten rum die Mütter Rotz und Wasser heulten, weil sie an ihren eigenen Kindern Erziehungsprogramme durchführten, die eigentlich ihr Mutterherz zerspringen ließen.

Frau oder Mutter oder Frau?
Da war die Taktik der DDR beinahe freundlich: hier gab es den Muttertag einfach gar nicht. Stattdessen feierte man den Frauentag, der zeigen sollte, wie tüchtig die Frau im Arbeitsleben steht und eine Anerkennung verdient.

Und wir sehen deutlich, wie zerrissen heute Frauen sind, wenn sie zwischen Familie und Beruf entscheiden sollen und wollen. Kehren wir doch zurück zur Pachamama. Ehren wir am Muttertag das, was jede Frau gibt. Egal, ob sie ein Kind in die Welt gebracht hat, oder gute Arbeit. Lassen wir den Kampf der Entscheidung im Allgemeinen und geben uns den Kräften hin, die in jeder Frau stecken. Nämlich etwas aus ihrer eigenen kraftvollen Mitte hervorzubringen!

Reinschauen lohnt sich. Denn in Deinem Papa-/ Mama- und Frauenladen bekommst Du in der Zeit vom 07. bis 20.05. eine weiße Nelke. Hereinkommen zum Erzählen, Tee/Kaffee trinken und sich austauschen. So tragen wir Frauen zu einem respektvollen Umgang miteinander bei.

 

Text: Navina Salomon
Bild: shutterstock.com/© Chinnapon

Die Frau im männlichen Gewand

Pachamama gewohnt provokant: Die 28. Frauenwoche wählte das Motto: „Selber Schuld“ – mit diesem Grundgedanken wollte man sich von immer noch vorhandenen Vorwürfen lösen, dass Frauen und Mädchen an ihren Benachteiligungen selbst schuld seien.

Aber steckt genau darin nicht ein großer Teil Wahrheit? Diesen Ansatz haben wir in Bezug zur Geschichte der Menschheit erörtert – quer durch das ursprüngliche Matriarchat, die Übergabe ins Patriarchat, über die Religionen bis in unsere heutige Zeit – und haben an vielen Stellen die bewusste oder unbewusste Abgabe weiblicher Autonomie aufgezeigt.

Feminismus: Der Deckmantel der Selbstbestimmung
Was passiert, wenn wir Frauen dieses Bekenntnis endlich aktiv annehmen? Der Aha-Effekt braucht das Wissen, um den Schleier zu lüften. In einer engagierten und wissbegierigen Runde konnten wir am 06.03. feststellen, wie viel von diesem wichtigen Wissen fehlt. Vor allem bei der Betrachtung des Feminismus und der Gesetzgebung wurde deutlich, dass es sich hierbei letztendlich nur um weitere Abhängigkeiten unter dem Deckmantel der Selbstbestimmung handelt. Im Auftrag angeblicher Gleichberechtigung sieht es in den Gesetzen viel eher nach der staatlichen Fixierung der Aussage Rockefellers aus, der zum Thema Frauenbefreiung sagte: „Wir, die Rockefellers, haben das finanziert. Wir, die Rockefellerstiftung, waren diejenigen, die die Bewegung überall ins Fernsehen und in die Zeitungen gebracht haben. Willst du wissen, warum? Es gab zwei Hauptgründe. Wir konnten vor der Bewegung nur die Hälfte der Bevölkerung besteuern. Der zweite war, jetzt haben wir die Kinder von jungen Jahren an den Schulen. Wir können die Kinder indoktrinieren, ihnen beibringen, wie sie denken sollen. Das bricht die Familien auf und nicht mehr die Eltern.“ (Quelle: Dr. Vogt im Video „Weltherrschaft“)

Was bringen wir mit männlich, was mit weiblich in Verbindung – was mit Hausfrau und was mit Karrierefrau?

Wo bleibt die wahre Gleichstellung?
Wir sollten uns an dieser Stelle fragen, warum es in der Gesetzgebung per se um die Erhöhung der Integration von Frauen im Arbeitsmarktgefüge und die verbreitenden Strukturen wie Schule, Uni etc. geht. Wohl gemerkt stets unter der Betrachtung der Gleichstellung. Wo findet die Gleichstellung derer statt, die sich bewusst für Kinder und Haushalt entscheiden? Ist es eine aufrichtige Gleichstellung, wenn Frauen für die Betreuung anderer Kinder bezahlt werden, aber Mütter nicht? Und die, die ihre Kinder abgeben, diese auch noch bezahlen müssen ohne eine Wahl zu haben?

Eine Frau die sich selbst liebt, ist heute ein Makel
Welche Einflüsse hat unsere Sprache? Kaum eine andere Sprache ist so vermännlicht wie die deutsche. Zusätzlich findet sich auch hier wieder für die Frau die Spur der Schuld: Schambein – warum nicht Lustbein?; Schamlippen… Hier trifft die Fehlbarkeit der Frau, die wir immer noch unseren Kindern lehren, deutlich aus der Geschichte ins Jetzt. Ein Spiegel der männlichen Angst vor der wilden Verführungskraft der Lilith, die einst aus dem Paradies verbannt wurde. Eine Frau, die sich selbst liebt ist heute ein Makel, kein Anzeichen für gesunde Führungskompetenz. Das geht so weit, dass moderne Frauen ihre Kleidung nach männlichen Richtlinien wählen, wollen sie im Beruf aufsteigen, oder das Becken vor einem weiblichen Hüftschwung bewahren mit dem Resultat von Rückenproblemen. Welch Absurdität!

Unabhängigkeit ist nicht modern – sie ist urweiblich
Doch die Spitze der deutschen Sprache stellt DAS Mädchen. Geschlechtslos soll es in ein gemachtes Bild der Frauenverzerrung wachsen. Und die Urfrau steht lachend daneben und denkt sich: „Was für eine fragwürdige Welt!“ Denn ganz ohne Politik, die ebenfalls eine Erfindung des männlichen Gedankengutes ist, gab es ursprünglich Gleichstellungsgesetze, die rein natürlichen Ursprungs waren. Ein weiterer Blick zum Thema Führungskraft in der Tierwelt zeigte Erstaunliches. Und auch die Ergründung unseres Verhaltens von Rollenbildern bezüglich der Umstrukturierung unseres ganzen Hormonsystems.

Am Ende unseres Workshops wurde eines deutlich: Führungsarbeit ist von Grund auf weiblich und Unabhängigkeit ist nicht modern. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Frau-Seins. Sobald sich Frau dies eingesteht und in der eigenen Mitte ruht, gibt es eine von Natur aus gegebene Gleichberechtigung. Diese Gleichberechtigung bezieht sämtliche Rollenbilder ein!

Wiederholenswert
Da die Nachfrage größer als gedacht war und viele, die an dem Tag nicht konnten, aufrichtiges Interesse zeigten, werden wir dieses wichtige Thema erneut als Workshop und Austauschrunde anbieten. Auf dass mehr Stimmen sagen können: „Ich möchte mich gern noch mal auf diesem Weg für den tollen Nachmittag bedanken. Mein Rundblick auf die Welt und Geschicke der Frau hat sich im positiven Sinne sehr geweitet. Ich bin mit so vielen Eindrücken nach Hause gefahren. Das war eine gelungene Veranstaltung. Vielen Dank dafür!“ Ch. Wesoly, Sachbearbeiterin


Nächste Termine:
Samstag, 26. Mai 14 Uhr, ca. 2–3 Stunden
Freitag, 15. Juli 16 Uhr, ca. 2–3 Stunden


Bilder: Kornelia Köppe; Text: Navina Salomon

Stillen – Wenn das Trauma
in den Brüsten sitzt

Wie alle Abläufe, die von der Natur mit hoher Komplexität angedacht sind, ist auch das Thema Stillen sehr anfällig. Ein unbedachter Eingriff kann eine ganze Kettenreaktion an Folgen nach sich ziehen. Die natürlichste Sache der Welt wird dann plötzlich zum Problemthema.

Allein die häufig unbeabsichtigte Angst, dass Kind würde nicht schnell genug den Saugreflex aktivieren und zu schnell zu viel abnehmen, kann ausreichen. Diese Angst überträgt sich auf Mutter und Kind. Stresshormone explodieren und stören meist langwierig völlig unnötig die Mutter-Kind-Bindung. Spuren können sich auch im weiteren Still- und späteren Essverhalten des Kindes zeigen. Solche Kreisläufe haben viele Ursachen.

Und Stillen ist mehr.

Stillen ist ein Spiegel der Seele. Nicht nur aktuell. Sondern auch ein Spiegel der Biografie der frisch gewordenen Eltern. Nicht stillen können, kann Anzeichen von Traumata in der mütterlichen – seltener in der väterlichen – Biografie sein. Was für die Geburt aufgelöst werden konnte, ist plötzlich „in die Brüste“ gerutscht.

Während in wirklich guten Begleitungen von Schwangeren bereits auf biografische Muster geschaut wird um Traumata rechtzeitig auflösen zu können, ist es beim Thema Stillen noch nicht ganz angekommen. Dabei ist ein bedeutender Teil unserer Gesellschaft von Traumata heimgesucht. Immerhin liegt der letzte Krieg gerade vier Generationen zurück. Traumata werden leicht drei Generationen übergreifend vererbt. Die unreflektierten Muster in den meisten Familien haben zu Überlebensmechanismen geführt, die häufig weitere Traumata zur Folge haben.

„Ich spüre, dass es geht, aber irgendwas hält mich gefangen!“

Die gut etablierte Aussage: „Ich konnte nicht stillen.“ oder „Ich hatte nicht genug Milch.“ sollte endlich nachlassen. Der Ton bei älteren Frauen ist bei dieser Aussage vor allem traurig. Die Augen rückblickend und trüb. Der Schmerz springt einen nahezu an. Der Ton in Gesprächen mit heutigen Müttern die nicht stillen ist häufig unsicher, verzweifelt, manchmal wütend und nicht selten trotzig. Das Gespräch wird schnell abgehakt. Aber es ist fast immer ein Hilferuf wahrzunehmen: „Ich spüre, dass es geht, aber irgendwas hält mich gefangen!“. Viele Frauen haben über Generationen gelernt, Kummer und innere Not zu unterdrücken. Unsere Gesellschaft arbeitet gerade daran, den Spruch: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ für die Jungen abzuschaffen und merkt gar nicht, wie die Frauen sich diesen Spruch selbst aneignen. Frauen gegen Frauen.

Dieses Spiel ist in keiner anderen Lebensphase so ausgeprägt gehässig, wie im Bereich der wichtigsten Stunden im Leben: Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett , Stillen! Berichte von Frauen, die ihre ersten Stillversuche nach der Geburt als Vergewaltigung beschreiben, sind keine Seltenheit. Das hier stattgefundene massive Manipulieren durch Fachpersonal eines sensiblen Prozesses schreibt sich tief in die Seele von Mutter und Kind und hinterlässt das Gefühl der Hilflosigkeit. Hier spiegeln sich Zeitmangel, unreflektierte Lebensgeschichten, unzureichende Aus- und Weiterbildung sowie mangelnde Empathiefähigkeit. Die Rechnung tragen Mutter und Kind. Ungefragt folgen zudem häufig von allen Seiten Ratschläge, die wenig liebevoll sind. Und dabei ist es genau das, was fehlt. Wir diskutieren lieber, ob Stillen in der Öffentlichkeit schicklich ist, statt uns Frauen in die Augen zu blicken und uns endlich auch als Frau im Leben zu integrieren. Uns zu achten an den Stellen, wo Leben getragen, geboren und gestillt wird. Völlig unabhängig davon, ob frau sich für Kind entscheidet.

Brüste und Stillen – ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Hier spiegeln sich die Machtspiele: Ist die Frau eine starke und selbstbewusste Frau, weil sie Kinder bekommt und stillt? Oder gilt sie dann nicht mehr als modern, feminin, selbstbestimmt? Ist sie aufgeschlossen, weil sie überall stillt und introvertiert, wenn sie sich dafür immer nur ins stille Kämmerchen zurück zieht?

Brüste und Stillen – ein Spiegel unserer Vergangenheit.

Hier spiegeln sich die Machtspiele unserer Eltern und Großeltern wieder: Hatte meine Mutter genug Mut, zur damaligen Zeit wirklich für mich als Kind da zu sein? Wie war die Paarbeziehung und wie war dadurch mein Überleben und nährende Berührung gesichert? Musste meine Mutter um mich kämpfen? Musste mein Vater um mich kämpfen? Wurde ich zum Spielball unreflektierter Traumata meiner Eltern in einer der wichtigsten Prägungsphasen?

Brüste und Stillen – hier geht es um viel mehr!

Die Brust als mütterliche, liebevolle Nahrungsquelle ist ein heimliches Sehnsuchtsobjekt vieler Generationen. Nicht auf Grund von sexueller Lust, sondern – ganz banal – weil sie ein Zeichen für „nach Hause kommen“ ist. Schauen wir uns die Geschichte der letzten Generationen an, schreit es regelrecht nach: „endlich nach Hause kommen DÜRFEN“.

Text: Navina Salomon; Bild: istockphoto/Sasiistock


Der Pachamama-Laden bietet mehrmals im Monat ein Stillcafé an. Diese offene Runde dient zum Auftanken, Gefühle loswerden oder auch mal alternatives Wissen zum Stillen einholen. Nach aktuellen Terminen frage bitte unter 01799249982.

 

Gewalt unter der Geburt
trifft auch Männer

Am 25. November ist der Tag für die globale Bewegung gegen Gewalt in der Geburtshilfe. Im Rahmen des Roses Revolution bieten wir im Pachamama-Laden am

Donnerstag, den 23.11. von 13:00 bis 16:00 Uhr eine Austauschrunde mit Fakten

zur aktuellen Lage und persönlichen Gesprächen an. Hier erfährst du, was Roses Revolution genau ist und welches Ziel damit verfolgt wird. Du kannst deine Geschichte loswerden und verschiedene Infos bis hin zu kleinen Übungen erleben, die dich im Heilungsprozess unterstützen können. Und natürlich kannst du deine Rose für den 25. mitnehmen.

Und du erfährst, wie auch du ein Zeichen setzen kannst.

Du gehörst zum Fachpersonal rund um die Thematik Geburt? Komm vorbei und erfahre, wie wichtig dein Einsatz ist!

Seit 2013 findet jedes Jahr am 25.11. der internationale Tag gegen Gewalt unter der Geburt statt. An diesem Tag (nach einer Idee von Jesusa Ricoy auf der 3. Human Rights in Childbirth Konferenz ins Leben gerufen) können Frauen ganz offiziell oder anonym ein Zeichen setzen. Denn Tatsache ist: tagtäglich findet auch in Deutschland Gewalt unter der Geburt statt. Laut Tara Franke (Hebamme und Sexualpädagogin) ist diese Form der Gewalt mit ähnlichen Folgen wie nach sexuellem Missbrauch behaftet und unterliegt ganz unterschiedlichen und in erster Linie subjektiven Empfindungen und reichen von körperlich sichtbar bis hin zu seelisch versteckt. Von vielen Seiten bestätigt wird auch ihre Aussage, dass das Hauptproblem darin läge, dass es sich in den allermeisten Fällen NICHT um vorsätzliche Übergriffe handle.

Die Folgen für die Betroffenen sind jedoch meist über Jahre hinweg sicht- und spürbar. Und sie sind manigfaltig: bei Kind, Mutter und Vater! Roses Revolution ist ein Tag, an dem sich Betroffene wieder ein Stück ihres Selbstwertgefühles, ihres Rechtes nach Geachtet werden zurückholen können: indem sie an dem Ort der Erfahrung eine Rose niederlegen und/ oder einen Brief schreiben. Dieser Tag dient dazu, auch sichtbar zu machen: es passiert viel zu häufig. Laut Experten, die unter anderem jedes Jahr die Auswertungen der Roses Revolution machen, könne eine Schwarzzahl von ungefähr der Hälfte aller Geburten jährlich ausgegangen werden, die unter Gewalt stattgefunden hat.

Extremfälle sind hier und da jedem bekannt. Aber eigentlich müssen wir fragen, ab wann beginnt Gewalt? Und wenn die meisten Formen dessen nicht absichtlich angewandt wurden: wie schaffen wir es, hier zu sensibilisieren? Welche Mechanismen führen dazu, dass Menschen anderen Menschen scheinbar so ganz unbeabsichtigt Gewalt in einer der intimsten und prägendsten Stunden des Lebens zufügen?

Welche Rolle spielen dabei Männer? Und wie erleben Männer solche Momente- die Quote von traumatisierten Männern nach einer Geburtsbegleitung ist recht bedeutsam? Und welche Möglichkeiten haben vielleicht gerade die begleitenden werdenden Väter, hier einen Schutzraum zu bieten?

Einige Ansätze bietet hier deine nächste ADELENE (Dezemberausgabe) und möchte zum Nachdenken anstoßen. Dieses umfassende Thema wird von ADELENE sicher immer mal wieder aufgegriffen werden. Und die Aussagen ist ganz klar: schickt uns gerne eure Berichte: als Betroffener, aber auch gern als „Täter“. Schaffen wir einen Dialog?

Im Namen des nächsten Roses Revolution am 25.11.2017: Liebe betroffenen Männer, fühlt euch eingeladen, ebenfalls diesen Tag zu nutzen, um ein Zeichen mit eurer Rose und/oder mit eurem Bericht niederzulegen!

Autorin: Navina Salomon

Mehr Infos findest du unter anderem auf: www.gerechte-geburt.de

Quellen: (Tara Regine Franke 2007; 6. Dt. Still- und Laktationskongress in Göppingen); (Roses Revolution Deutschland; Pressemittteilung 16.05.2017)

1 Jahr pachamama – ein Resümee

Seit einem Jahr kümmern sich Madelaine Böhm (31) und Navina Salomon (34) im Pachamama-Laden um Frauen mit Babys, Frauen ohne Babys, Frauen in der Schwangerschaft, aber auch Papas und Großeltern finden hier Hilfe und Informationen rund um das Leben als Familie. Madelaine Böhm erzählt im Interview über das erste Jahr als Ladenbesitzerin.

Wie zufrieden bist du mit der aktuellen Situation?
Der August war bisher der beste Monat. Nicht nur vom Umsatz her, sondern weil viele Brandenburger im Laden waren und auch wiederkommen. Manchmal wünsche ich mir jedoch, dass noch mehr Frauen und Familien einfach mal in den Laden schnuppern kommen. Es ist noch Luft nach oben. Ich wurde vorher allerdings gewarnt, dass Ladenbesitzer es hier nicht einfach haben.

Wie überbrückst du finanzielle Engpässe?
Mein Privatleben kann ich durch den Laden bisher nicht finanzieren. Und da bin ich sicherlich nicht die einzige Unternehmerin, der es so geht. Man muss es aber auch mal aussprechen, um die Leute darauf aufmerksam zu machen. Zurzeit wird alles was ich im Laden umsetze, wieder in neue Ware investiert.

Wie würdest du deinen Laden für jemanden beschreiben, der noch nicht vor Ort war?
Gemütlich. Mit Platz zum Stillen, Wickeln und Spielen. Ein Laden voll mit Produkten und Kursangeboten die Anregen auch mal was Neues auszuprobieren.

Was glaubst du ist der Grund, dass viele Kunden deiner Zielgruppe den Laden noch nicht entdeckt haben?
Einerseits die eingeschränkten Ladenöffnungszeiten. Das ist leider für mich als alleinerziehende Mutter momentan nicht anders zu stemmen. Andererseits stelle ich fest, dass die Hemmschwelle den Laden zu betreten noch immer sehr groß ist. Dabei haben auch Kinderwagen bei uns Platz. Einige kommen erst zu uns, wenn sie zum Beispiel schon eine Trage gekauft haben und bemerken, dass es für sie oder das Kind unbequem ist. Der direkte Kontakt vorab wird gescheut. Oder wir beraten die Kunden und sie kaufen dann im Internet. Das Internet ist generell für die Einzelhändler vor Ort die größte Konkurrenz.

Oder ist Tragen vielleicht nur eine kurzweilige Modeerscheinung?
Nein. Nagelstudios sind für mich eine Modeerscheinung.

Was ist das besondere am Tragen und warum sollte man sich im Pachamama-Laden beraten lassen?
Ich würde schätzen, dass etwa 20 Prozent der Brandenburger ihre Kinder überwiegend tragen. 10 Prozent davon tragen sichtlich unbequem. Uns geht es dabei nicht primär um den praktischen Effekt, sondern vor allem ums Kind. Für mich persönlich ist Tragen die Grundlage der Erziehung. Wir Menschen sind Traglinge. Diese enge Bindung macht uns zu sozialen Wesen. Es entsteht eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wer bei uns eine Trageberatung bucht, bekommt alle wichtigen Infos und Handgriffe auf den Weg, damit Kind und Eltern es gleichermaßen genießen können.

Wie möchtest du noch mehr Kunden erreichen?
Ein Laden muss wachsen und deshalb erweitern wir ständig das Sortiment und passen die Kursangebote an. Wir gehen Kooperationen ein und ermöglichen zum Beispiel die Kinderbetreuung in der Innenstadt gemeinsam mit dem Citymanagement, eine Krabbelgruppe mit der Agentur für Kinderbetreuung KinderZeit und eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Frühchen mit der Caritas. Eine bessere Kooperation mit den Hebammen vor Ort wäre wünschenswert.

Wir betreuen außerdem einen Blog und haben kürzlich eine deutschlandweite Fachzeitschrift (www.adelene-magazin.de) herausgebracht.

Aber es ist gar nicht so einfach diesen Anlaufpunkt in der Stadt zu entdecken, wenn nicht auch vonseiten der Stadt mehr getan wird. So geht es auch anderen kleinen Geschäften in Brandenburg. In Gedanken träume ich von einer autofreien Innenstadt. Somit sind die Kunden angehalten wieder einmal „bummeln“ zu gehen und entdecken ganz von selbst das ein oder andere Geschäft. Eine Suchmöglichkeit im Internet mit allen Läden und ihrem Sortiment auf der Seite der Stadt würde sich ebenfalls lohnen. Quasi ein Brandenburg-Google.

Wer lokal einkauft erhält eine lebendige Innenstadt. Es wäre schade, wenn viele kleine Läden schließen müssen, damit geht auch ein gewisses Flair verloren.

Was möchtest du den Brandenburgern noch mit auf den Weg geben?
Im Pachamama-Laden werden Produkte verkauft, von denen man dauerhaft profitiert. Und falls Fragen aufkommen sind wir da, um sie zu beantworten. Wir sind aber nicht nur Geschäft, sondern auch Treffpunkt. Einfach mal reinkommen und sich umschauen, sich mit anderen austauschen und auch neue Ansätze entdecken. So sind hier schon viele neue Bekanntschaften entstanden.

Anlässlich unseres einjährigen Bestehens am 7. September gibt es 10 % Rabatt auf unsere Produkte und Kursangebote. Wir freuen uns auf viele Besucher.

 

Ein Interview von Natalie Preißler.