Woher kommt der Muttertag?

Gern werden wir als Familien- und Mamaladen betrachtet. Deshalb widmen wir uns diesmal dem Muttertag. Nur, was ist denn eigentlich genau der Muttertag?

Ursprünglich gab es in vielen Kulturen der Welt Tage, an denen Mütter geehrt wurden. Im Matriarchat, die ursprünglichste Form des Miteinanders, galt die Betrachtung der Frau und der Mutter generell als heilig. Sie war es, die das Leben in die Welt brachte. Sie war es, die das Leben nährte und dadurch wesentlich das Wachsen förderte.

Die Urmutter
Auch unser Laden heißt übersetzt: Mutter Erde. (Pacha Mama). Wir haben damals bei der Namensuche viele Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Pacha Mama – ob das wohl zu spirituell für Brandenburg klingt? Zu Öko? Zu Abseits?

Natürlich wollten wir bewusste Produkte und Angebote in unser Repertoire aufnehmen. Aber unser Wunsch war es vor allem auch, ALLE Eltern zu erreichen. Und das beginnt mit der Wirkung des Ladennamens. Pacha Mama – Erde Mutter, oder auch Welt Mutter/ Kosmos Mutter. Der Name stammt von den indigenen Völkern Südamerikas. Hier gilt noch die tiefe Verbindung zur nährenden und alles hervorbringenden Mutter Erde als achtenswert. Das Volk führt selbstständig ihr Fest zu Ehren der Pachamama aus, bei dem mit Opfergaben vor allen für den Schutz und das Lebens gedankt wird. Durch den Einzug des Christentums gab es eine tolerierte Vermischung mit der Marienfigur, die ähnliche Attribute trägt.

Finde deine Identität als Mutter
Ecuador ging so weit, dass 2008 Pachamama als ein Grundprinzip in die Verfassung aufgenommen wurde. Vor allem auch, weil sie für Identität und Widerstandsfähigkeit steht. Wünschen wir unserer Mutter Erde, dass sie noch lange und gut besteht.

Also wünschen wir das doch auch uns als Mutter! Dass wir mit Identität und Widerstandsfähigkeit gesegnet werden mögen. „Wachsen mit Liebe und Halt“ ist Zusatz auf unserem Logo. Unsere Kinder können nur aufrecht gedeihen, wenn wir ihnen Liebe und Halt zugleich geben. Es erfordert in der heutigen Zeit oft eine ganze Menge an Mut. Denn Aufrichtigkeit kann nur entstehen, wenn ich als Mama auch wirklich aus meiner eigenen Mitte agiere. Und die entspricht selten den Vorstellungen einer zivilisierten Gesellschaft in der alle gleich sein sollen.

Der Muttertag
So verwundert es nicht, dass 1644 in England der „Mothering Day“ als Familienfestmahl Einzug erhielt. Wie sehr musste sich die Industriegesellschaft nach der Verehrung der hart arbeitenden Mütter sehnen, die so arm an wirklichen Riten und Bräuchen geworden ist. Die Ehr der Frauen und Mütter wurde in aufstrebenden Ländern über viele Jahrhunderte hinweg regelrecht Abgeschafft. 1858 kam der „Mothering Day“ dann nach Amerika und wurde dort 1914 mittels Kongressbeschluss von Präsident Woodrow Wilson als offizieller Ehrentag von Müttern festgelegt.

Die weißen Nelken führte übrigens 1907 die Methodistin Anna Marie Javis ein, die vorerst zu Ehren ihrer verstorbenen Mutter, später für alle Mütter, anfing, am 2. Sonntag im Mai weiße Nelken zu verteilen. Natürlich nutzte jedes Regime ihre eigenen Möglichkeiten, den Muttertag auch politisch zu verzerren. Während der Weimarer Republik fingen bereits Blumen- und Pralinenhersteller an, den durch die Heilsarmee mitgebrachten Brauch zu nutzen und so ihre tiefe Verehrung der Mütter darzustellen. Nicht zuletzt darf hier natürlich eine Gewinnorientierte Absicht unterstellt werden. Ebenso nutzte der Nationalsozialismus diesen Ehrentag sehr ausführlich, galt es doch bewusst früh möglichst auf die nächste Generation Einfluss zu nehmen. Und wie könnte man(n) das besser, als den Müttern vorne weg ihren Tag mit dem Ehrenkreuz der deutschen Mutter zu versüßen, während hinten rum die Mütter Rotz und Wasser heulten, weil sie an ihren eigenen Kindern Erziehungsprogramme durchführten, die eigentlich ihr Mutterherz zerspringen ließen.

Frau oder Mutter oder Frau?
Da war die Taktik der DDR beinahe freundlich: hier gab es den Muttertag einfach gar nicht. Stattdessen feierte man den Frauentag, der zeigen sollte, wie tüchtig die Frau im Arbeitsleben steht und eine Anerkennung verdient.

Und wir sehen deutlich, wie zerrissen heute Frauen sind, wenn sie zwischen Familie und Beruf entscheiden sollen und wollen. Kehren wir doch zurück zur Pachamama. Ehren wir am Muttertag das, was jede Frau gibt. Egal, ob sie ein Kind in die Welt gebracht hat, oder gute Arbeit. Lassen wir den Kampf der Entscheidung im Allgemeinen und geben uns den Kräften hin, die in jeder Frau stecken. Nämlich etwas aus ihrer eigenen kraftvollen Mitte hervorzubringen!

Reinschauen lohnt sich. Denn in Deinem Papa-/ Mama- und Frauenladen bekommst Du in der Zeit vom 07. bis 20.05. eine weiße Nelke. Hereinkommen zum Erzählen, Tee/Kaffee trinken und sich austauschen. So tragen wir Frauen zu einem respektvollen Umgang miteinander bei.

 

Text: Navina Salomon
Bild: shutterstock.com/© Chinnapon

Die Frau im männlichen Gewand

Pachamama gewohnt provokant: Die 28. Frauenwoche wählte das Motto: „Selber Schuld“ – mit diesem Grundgedanken wollte man sich von immer noch vorhandenen Vorwürfen lösen, dass Frauen und Mädchen an ihren Benachteiligungen selbst schuld seien.

Aber steckt genau darin nicht ein großer Teil Wahrheit? Diesen Ansatz haben wir in Bezug zur Geschichte der Menschheit erörtert – quer durch das ursprüngliche Matriarchat, die Übergabe ins Patriarchat, über die Religionen bis in unsere heutige Zeit – und haben an vielen Stellen die bewusste oder unbewusste Abgabe weiblicher Autonomie aufgezeigt.

Feminismus: Der Deckmantel der Selbstbestimmung
Was passiert, wenn wir Frauen dieses Bekenntnis endlich aktiv annehmen? Der Aha-Effekt braucht das Wissen, um den Schleier zu lüften. In einer engagierten und wissbegierigen Runde konnten wir am 06.03. feststellen, wie viel von diesem wichtigen Wissen fehlt. Vor allem bei der Betrachtung des Feminismus und der Gesetzgebung wurde deutlich, dass es sich hierbei letztendlich nur um weitere Abhängigkeiten unter dem Deckmantel der Selbstbestimmung handelt. Im Auftrag angeblicher Gleichberechtigung sieht es in den Gesetzen viel eher nach der staatlichen Fixierung der Aussage Rockefellers aus, der zum Thema Frauenbefreiung sagte: „Wir, die Rockefellers, haben das finanziert. Wir, die Rockefellerstiftung, waren diejenigen, die die Bewegung überall ins Fernsehen und in die Zeitungen gebracht haben. Willst du wissen, warum? Es gab zwei Hauptgründe. Wir konnten vor der Bewegung nur die Hälfte der Bevölkerung besteuern. Der zweite war, jetzt haben wir die Kinder von jungen Jahren an den Schulen. Wir können die Kinder indoktrinieren, ihnen beibringen, wie sie denken sollen. Das bricht die Familien auf und nicht mehr die Eltern.“ (Quelle: Dr. Vogt im Video „Weltherrschaft“)

Was bringen wir mit männlich, was mit weiblich in Verbindung – was mit Hausfrau und was mit Karrierefrau?

Wo bleibt die wahre Gleichstellung?
Wir sollten uns an dieser Stelle fragen, warum es in der Gesetzgebung per se um die Erhöhung der Integration von Frauen im Arbeitsmarktgefüge und die verbreitenden Strukturen wie Schule, Uni etc. geht. Wohl gemerkt stets unter der Betrachtung der Gleichstellung. Wo findet die Gleichstellung derer statt, die sich bewusst für Kinder und Haushalt entscheiden? Ist es eine aufrichtige Gleichstellung, wenn Frauen für die Betreuung anderer Kinder bezahlt werden, aber Mütter nicht? Und die, die ihre Kinder abgeben, diese auch noch bezahlen müssen ohne eine Wahl zu haben?

Eine Frau die sich selbst liebt, ist heute ein Makel
Welche Einflüsse hat unsere Sprache? Kaum eine andere Sprache ist so vermännlicht wie die deutsche. Zusätzlich findet sich auch hier wieder für die Frau die Spur der Schuld: Schambein – warum nicht Lustbein?; Schamlippen… Hier trifft die Fehlbarkeit der Frau, die wir immer noch unseren Kindern lehren, deutlich aus der Geschichte ins Jetzt. Ein Spiegel der männlichen Angst vor der wilden Verführungskraft der Lilith, die einst aus dem Paradies verbannt wurde. Eine Frau, die sich selbst liebt ist heute ein Makel, kein Anzeichen für gesunde Führungskompetenz. Das geht so weit, dass moderne Frauen ihre Kleidung nach männlichen Richtlinien wählen, wollen sie im Beruf aufsteigen, oder das Becken vor einem weiblichen Hüftschwung bewahren mit dem Resultat von Rückenproblemen. Welch Absurdität!

Unabhängigkeit ist nicht modern – sie ist urweiblich
Doch die Spitze der deutschen Sprache stellt DAS Mädchen. Geschlechtslos soll es in ein gemachtes Bild der Frauenverzerrung wachsen. Und die Urfrau steht lachend daneben und denkt sich: „Was für eine fragwürdige Welt!“ Denn ganz ohne Politik, die ebenfalls eine Erfindung des männlichen Gedankengutes ist, gab es ursprünglich Gleichstellungsgesetze, die rein natürlichen Ursprungs waren. Ein weiterer Blick zum Thema Führungskraft in der Tierwelt zeigte Erstaunliches. Und auch die Ergründung unseres Verhaltens von Rollenbildern bezüglich der Umstrukturierung unseres ganzen Hormonsystems.

Am Ende unseres Workshops wurde eines deutlich: Führungsarbeit ist von Grund auf weiblich und Unabhängigkeit ist nicht modern. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Frau-Seins. Sobald sich Frau dies eingesteht und in der eigenen Mitte ruht, gibt es eine von Natur aus gegebene Gleichberechtigung. Diese Gleichberechtigung bezieht sämtliche Rollenbilder ein!

Wiederholenswert
Da die Nachfrage größer als gedacht war und viele, die an dem Tag nicht konnten, aufrichtiges Interesse zeigten, werden wir dieses wichtige Thema erneut als Workshop und Austauschrunde anbieten. Auf dass mehr Stimmen sagen können: „Ich möchte mich gern noch mal auf diesem Weg für den tollen Nachmittag bedanken. Mein Rundblick auf die Welt und Geschicke der Frau hat sich im positiven Sinne sehr geweitet. Ich bin mit so vielen Eindrücken nach Hause gefahren. Das war eine gelungene Veranstaltung. Vielen Dank dafür!“ Ch. Wesoly, Sachbearbeiterin


Nächste Termine:
Samstag, 26. Mai 14 Uhr, ca. 2–3 Stunden
Freitag, 15. Juli 16 Uhr, ca. 2–3 Stunden


Bilder: Kornelia Köppe; Text: Navina Salomon

Stillen – Wenn das Trauma
in den Brüsten sitzt

Wie alle Abläufe, die von der Natur mit hoher Komplexität angedacht sind, ist auch das Thema Stillen sehr anfällig. Ein unbedachter Eingriff kann eine ganze Kettenreaktion an Folgen nach sich ziehen. Die natürlichste Sache der Welt wird dann plötzlich zum Problemthema.

Allein die häufig unbeabsichtigte Angst, dass Kind würde nicht schnell genug den Saugreflex aktivieren und zu schnell zu viel abnehmen, kann ausreichen. Diese Angst überträgt sich auf Mutter und Kind. Stresshormone explodieren und stören meist langwierig völlig unnötig die Mutter-Kind-Bindung. Spuren können sich auch im weiteren Still- und späteren Essverhalten des Kindes zeigen. Solche Kreisläufe haben viele Ursachen.

Und Stillen ist mehr.

Stillen ist ein Spiegel der Seele. Nicht nur aktuell. Sondern auch ein Spiegel der Biografie der frisch gewordenen Eltern. Nicht stillen können, kann Anzeichen von Traumata in der mütterlichen – seltener in der väterlichen – Biografie sein. Was für die Geburt aufgelöst werden konnte, ist plötzlich „in die Brüste“ gerutscht.

Während in wirklich guten Begleitungen von Schwangeren bereits auf biografische Muster geschaut wird um Traumata rechtzeitig auflösen zu können, ist es beim Thema Stillen noch nicht ganz angekommen. Dabei ist ein bedeutender Teil unserer Gesellschaft von Traumata heimgesucht. Immerhin liegt der letzte Krieg gerade vier Generationen zurück. Traumata werden leicht drei Generationen übergreifend vererbt. Die unreflektierten Muster in den meisten Familien haben zu Überlebensmechanismen geführt, die häufig weitere Traumata zur Folge haben.

„Ich spüre, dass es geht, aber irgendwas hält mich gefangen!“

Die gut etablierte Aussage: „Ich konnte nicht stillen.“ oder „Ich hatte nicht genug Milch.“ sollte endlich nachlassen. Der Ton bei älteren Frauen ist bei dieser Aussage vor allem traurig. Die Augen rückblickend und trüb. Der Schmerz springt einen nahezu an. Der Ton in Gesprächen mit heutigen Müttern die nicht stillen ist häufig unsicher, verzweifelt, manchmal wütend und nicht selten trotzig. Das Gespräch wird schnell abgehakt. Aber es ist fast immer ein Hilferuf wahrzunehmen: „Ich spüre, dass es geht, aber irgendwas hält mich gefangen!“. Viele Frauen haben über Generationen gelernt, Kummer und innere Not zu unterdrücken. Unsere Gesellschaft arbeitet gerade daran, den Spruch: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ für die Jungen abzuschaffen und merkt gar nicht, wie die Frauen sich diesen Spruch selbst aneignen. Frauen gegen Frauen.

Dieses Spiel ist in keiner anderen Lebensphase so ausgeprägt gehässig, wie im Bereich der wichtigsten Stunden im Leben: Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett , Stillen! Berichte von Frauen, die ihre ersten Stillversuche nach der Geburt als Vergewaltigung beschreiben, sind keine Seltenheit. Das hier stattgefundene massive Manipulieren durch Fachpersonal eines sensiblen Prozesses schreibt sich tief in die Seele von Mutter und Kind und hinterlässt das Gefühl der Hilflosigkeit. Hier spiegeln sich Zeitmangel, unreflektierte Lebensgeschichten, unzureichende Aus- und Weiterbildung sowie mangelnde Empathiefähigkeit. Die Rechnung tragen Mutter und Kind. Ungefragt folgen zudem häufig von allen Seiten Ratschläge, die wenig liebevoll sind. Und dabei ist es genau das, was fehlt. Wir diskutieren lieber, ob Stillen in der Öffentlichkeit schicklich ist, statt uns Frauen in die Augen zu blicken und uns endlich auch als Frau im Leben zu integrieren. Uns zu achten an den Stellen, wo Leben getragen, geboren und gestillt wird. Völlig unabhängig davon, ob frau sich für Kind entscheidet.

Brüste und Stillen – ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Hier spiegeln sich die Machtspiele: Ist die Frau eine starke und selbstbewusste Frau, weil sie Kinder bekommt und stillt? Oder gilt sie dann nicht mehr als modern, feminin, selbstbestimmt? Ist sie aufgeschlossen, weil sie überall stillt und introvertiert, wenn sie sich dafür immer nur ins stille Kämmerchen zurück zieht?

Brüste und Stillen – ein Spiegel unserer Vergangenheit.

Hier spiegeln sich die Machtspiele unserer Eltern und Großeltern wieder: Hatte meine Mutter genug Mut, zur damaligen Zeit wirklich für mich als Kind da zu sein? Wie war die Paarbeziehung und wie war dadurch mein Überleben und nährende Berührung gesichert? Musste meine Mutter um mich kämpfen? Musste mein Vater um mich kämpfen? Wurde ich zum Spielball unreflektierter Traumata meiner Eltern in einer der wichtigsten Prägungsphasen?

Brüste und Stillen – hier geht es um viel mehr!

Die Brust als mütterliche, liebevolle Nahrungsquelle ist ein heimliches Sehnsuchtsobjekt vieler Generationen. Nicht auf Grund von sexueller Lust, sondern – ganz banal – weil sie ein Zeichen für „nach Hause kommen“ ist. Schauen wir uns die Geschichte der letzten Generationen an, schreit es regelrecht nach: „endlich nach Hause kommen DÜRFEN“.

Text: Navina Salomon; Bild: istockphoto/Sasiistock


Der Pachamama-Laden bietet mehrmals im Monat ein Stillcafé an. Diese offene Runde dient zum Auftanken, Gefühle loswerden oder auch mal alternatives Wissen zum Stillen einholen. Nach aktuellen Terminen frage bitte unter 01799249982.

 

Gewalt unter der Geburt
trifft auch Männer

Am 25. November ist der Tag für die globale Bewegung gegen Gewalt in der Geburtshilfe. Im Rahmen des Roses Revolution bieten wir im Pachamama-Laden am

Donnerstag, den 23.11. von 13:00 bis 16:00 Uhr eine Austauschrunde mit Fakten

zur aktuellen Lage und persönlichen Gesprächen an. Hier erfährst du, was Roses Revolution genau ist und welches Ziel damit verfolgt wird. Du kannst deine Geschichte loswerden und verschiedene Infos bis hin zu kleinen Übungen erleben, die dich im Heilungsprozess unterstützen können. Und natürlich kannst du deine Rose für den 25. mitnehmen.

Und du erfährst, wie auch du ein Zeichen setzen kannst.

Du gehörst zum Fachpersonal rund um die Thematik Geburt? Komm vorbei und erfahre, wie wichtig dein Einsatz ist!

Seit 2013 findet jedes Jahr am 25.11. der internationale Tag gegen Gewalt unter der Geburt statt. An diesem Tag (nach einer Idee von Jesusa Ricoy auf der 3. Human Rights in Childbirth Konferenz ins Leben gerufen) können Frauen ganz offiziell oder anonym ein Zeichen setzen. Denn Tatsache ist: tagtäglich findet auch in Deutschland Gewalt unter der Geburt statt. Laut Tara Franke (Hebamme und Sexualpädagogin) ist diese Form der Gewalt mit ähnlichen Folgen wie nach sexuellem Missbrauch behaftet und unterliegt ganz unterschiedlichen und in erster Linie subjektiven Empfindungen und reichen von körperlich sichtbar bis hin zu seelisch versteckt. Von vielen Seiten bestätigt wird auch ihre Aussage, dass das Hauptproblem darin läge, dass es sich in den allermeisten Fällen NICHT um vorsätzliche Übergriffe handle.

Die Folgen für die Betroffenen sind jedoch meist über Jahre hinweg sicht- und spürbar. Und sie sind manigfaltig: bei Kind, Mutter und Vater! Roses Revolution ist ein Tag, an dem sich Betroffene wieder ein Stück ihres Selbstwertgefühles, ihres Rechtes nach Geachtet werden zurückholen können: indem sie an dem Ort der Erfahrung eine Rose niederlegen und/ oder einen Brief schreiben. Dieser Tag dient dazu, auch sichtbar zu machen: es passiert viel zu häufig. Laut Experten, die unter anderem jedes Jahr die Auswertungen der Roses Revolution machen, könne eine Schwarzzahl von ungefähr der Hälfte aller Geburten jährlich ausgegangen werden, die unter Gewalt stattgefunden hat.

Extremfälle sind hier und da jedem bekannt. Aber eigentlich müssen wir fragen, ab wann beginnt Gewalt? Und wenn die meisten Formen dessen nicht absichtlich angewandt wurden: wie schaffen wir es, hier zu sensibilisieren? Welche Mechanismen führen dazu, dass Menschen anderen Menschen scheinbar so ganz unbeabsichtigt Gewalt in einer der intimsten und prägendsten Stunden des Lebens zufügen?

Welche Rolle spielen dabei Männer? Und wie erleben Männer solche Momente- die Quote von traumatisierten Männern nach einer Geburtsbegleitung ist recht bedeutsam? Und welche Möglichkeiten haben vielleicht gerade die begleitenden werdenden Väter, hier einen Schutzraum zu bieten?

Einige Ansätze bietet hier deine nächste ADELENE (Dezemberausgabe) und möchte zum Nachdenken anstoßen. Dieses umfassende Thema wird von ADELENE sicher immer mal wieder aufgegriffen werden. Und die Aussagen ist ganz klar: schickt uns gerne eure Berichte: als Betroffener, aber auch gern als „Täter“. Schaffen wir einen Dialog?

Im Namen des nächsten Roses Revolution am 25.11.2017: Liebe betroffenen Männer, fühlt euch eingeladen, ebenfalls diesen Tag zu nutzen, um ein Zeichen mit eurer Rose und/oder mit eurem Bericht niederzulegen!

Autorin: Navina Salomon

Mehr Infos findest du unter anderem auf: www.gerechte-geburt.de

Quellen: (Tara Regine Franke 2007; 6. Dt. Still- und Laktationskongress in Göppingen); (Roses Revolution Deutschland; Pressemittteilung 16.05.2017)

1 Jahr pachamama – ein Resümee

Seit einem Jahr kümmern sich Madelaine Böhm (31) und Navina Salomon (34) im Pachamama-Laden um Frauen mit Babys, Frauen ohne Babys, Frauen in der Schwangerschaft, aber auch Papas und Großeltern finden hier Hilfe und Informationen rund um das Leben als Familie. Madelaine Böhm erzählt im Interview über das erste Jahr als Ladenbesitzerin.

Wie zufrieden bist du mit der aktuellen Situation?
Der August war bisher der beste Monat. Nicht nur vom Umsatz her, sondern weil viele Brandenburger im Laden waren und auch wiederkommen. Manchmal wünsche ich mir jedoch, dass noch mehr Frauen und Familien einfach mal in den Laden schnuppern kommen. Es ist noch Luft nach oben. Ich wurde vorher allerdings gewarnt, dass Ladenbesitzer es hier nicht einfach haben.

Wie überbrückst du finanzielle Engpässe?
Mein Privatleben kann ich durch den Laden bisher nicht finanzieren. Und da bin ich sicherlich nicht die einzige Unternehmerin, der es so geht. Man muss es aber auch mal aussprechen, um die Leute darauf aufmerksam zu machen. Zurzeit wird alles was ich im Laden umsetze, wieder in neue Ware investiert.

Wie würdest du deinen Laden für jemanden beschreiben, der noch nicht vor Ort war?
Gemütlich. Mit Platz zum Stillen, Wickeln und Spielen. Ein Laden voll mit Produkten und Kursangeboten die Anregen auch mal was Neues auszuprobieren.

Was glaubst du ist der Grund, dass viele Kunden deiner Zielgruppe den Laden noch nicht entdeckt haben?
Einerseits die eingeschränkten Ladenöffnungszeiten. Das ist leider für mich als alleinerziehende Mutter momentan nicht anders zu stemmen. Andererseits stelle ich fest, dass die Hemmschwelle den Laden zu betreten noch immer sehr groß ist. Dabei haben auch Kinderwagen bei uns Platz. Einige kommen erst zu uns, wenn sie zum Beispiel schon eine Trage gekauft haben und bemerken, dass es für sie oder das Kind unbequem ist. Der direkte Kontakt vorab wird gescheut. Oder wir beraten die Kunden und sie kaufen dann im Internet. Das Internet ist generell für die Einzelhändler vor Ort die größte Konkurrenz.

Oder ist Tragen vielleicht nur eine kurzweilige Modeerscheinung?
Nein. Nagelstudios sind für mich eine Modeerscheinung.

Was ist das besondere am Tragen und warum sollte man sich im Pachamama-Laden beraten lassen?
Ich würde schätzen, dass etwa 20 Prozent der Brandenburger ihre Kinder überwiegend tragen. 10 Prozent davon tragen sichtlich unbequem. Uns geht es dabei nicht primär um den praktischen Effekt, sondern vor allem ums Kind. Für mich persönlich ist Tragen die Grundlage der Erziehung. Wir Menschen sind Traglinge. Diese enge Bindung macht uns zu sozialen Wesen. Es entsteht eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wer bei uns eine Trageberatung bucht, bekommt alle wichtigen Infos und Handgriffe auf den Weg, damit Kind und Eltern es gleichermaßen genießen können.

Wie möchtest du noch mehr Kunden erreichen?
Ein Laden muss wachsen und deshalb erweitern wir ständig das Sortiment und passen die Kursangebote an. Wir gehen Kooperationen ein und ermöglichen zum Beispiel die Kinderbetreuung in der Innenstadt gemeinsam mit dem Citymanagement, eine Krabbelgruppe mit der Agentur für Kinderbetreuung KinderZeit und eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Frühchen mit der Caritas. Eine bessere Kooperation mit den Hebammen vor Ort wäre wünschenswert.

Wir betreuen außerdem einen Blog und haben kürzlich eine deutschlandweite Fachzeitschrift (www.adelene-magazin.de) herausgebracht.

Aber es ist gar nicht so einfach diesen Anlaufpunkt in der Stadt zu entdecken, wenn nicht auch vonseiten der Stadt mehr getan wird. So geht es auch anderen kleinen Geschäften in Brandenburg. In Gedanken träume ich von einer autofreien Innenstadt. Somit sind die Kunden angehalten wieder einmal „bummeln“ zu gehen und entdecken ganz von selbst das ein oder andere Geschäft. Eine Suchmöglichkeit im Internet mit allen Läden und ihrem Sortiment auf der Seite der Stadt würde sich ebenfalls lohnen. Quasi ein Brandenburg-Google.

Wer lokal einkauft erhält eine lebendige Innenstadt. Es wäre schade, wenn viele kleine Läden schließen müssen, damit geht auch ein gewisses Flair verloren.

Was möchtest du den Brandenburgern noch mit auf den Weg geben?
Im Pachamama-Laden werden Produkte verkauft, von denen man dauerhaft profitiert. Und falls Fragen aufkommen sind wir da, um sie zu beantworten. Wir sind aber nicht nur Geschäft, sondern auch Treffpunkt. Einfach mal reinkommen und sich umschauen, sich mit anderen austauschen und auch neue Ansätze entdecken. So sind hier schon viele neue Bekanntschaften entstanden.

Anlässlich unseres einjährigen Bestehens am 7. September gibt es 10 % Rabatt auf unsere Produkte und Kursangebote. Wir freuen uns auf viele Besucher.

 

Ein Interview von Natalie Preißler.

Känguruhen vs Neocams –
Stand der Dinge?

Es ist nun bereits über einen Monat her, als ich ein sehr schönes Telefonat mit Dr. Kössel, Chefarzt der Kinderstation im Klinikum hatte. An dieser Stelle ein fettes Dankeschön!!! für das sehr lange und ausführliche Gespräch! Und natürlich bin ich und sind wir immer für Gespräche bereit.

Da uns diese ersten prägenden Stunden, Tage und Wochen sehr wichtig sind, freut es uns, dass wir erfuhren, dass das Klinikum bereits seit Amtsantritt von Dr. Kössel das Känguruhen eingeführt hat. Uns wurde versichert, dass Elternarbeit gerade auf der Frühchen-/Intensivstation hoch geschrieben wird und es auch keinerlei Besuchszeiten mehr gibt. Heißt: Eltern könnten wohl jederzeit zu ihren Kindern, sie stillen, selbst pflegen und versorgen. Hierbei würden die Eltern, wie wir es in unserem Artikel von anderen Kliniken beschrieben, kompetente Einführung und Begleitung erhalten.

Da seitens der Klinik zudem bedauert wurde, dass wir nicht VOR dem Artikel mit der Klinik gesprochen haben und uns den aktuellen Stand hätten geben lassen, auch hier nochmal die Erklärung: Die Frage zur Spende der Neocams wurde an uns von außen herangetragen. Auch nach einigen Gesprächen wurde hier zu keinem Zeitpunkt ersichtlich, dass die Idee, Neocams für Eltern zur Verfügung zu stellen, von der Klinik initiiert wurde. Viel mehr erschien es uns, als würden Eltern versuchen, irgendwie einen Kontakt zu ihren Kindern zu bekommen, der ihnen in einer ausreichenden Bandbreite verwehrt wäre und so der Versuch, mittels Neocams ihr Kind wenigstens sehen zu können, entstand.

Das in der Klinik Känguruhen bereits seit vielen Jahren, professionell angeleitet und ausführlich für ein gutes Bonding praktiziert werde, war uns ebenfalls neu. Seit fast 10 Jahren arbeite ich mit werdenden Eltern – hauptsächlich ehrenamtlich – und habe leider noch von keinem Elternteil und/oder Fachkraft in diesem Bereich gehört, dass auf der Frühchen-/Intensivstation Känguruhen umgesetzt wird. Die Aussage seitens Herrn Kössel es liegt daran, dass in der Klinik selbst einfach diese Begrifflichkeit nicht genutzt wird, ist durchaus plausibel. Allerdings erkläre ich die Methode immer, wenn ich mit Eltern im Gespräch bin und dann müsste doch eine Ähnlichkeit erkennbar sein?

Daher ist mein Vorschlag, dass wir gemeinsam einen öffentlichen Artikel dazu machen. Denn diese tollen Praktiken der Neonatologie scheinen bei vielen Eltern nicht angekommen und es ist schade wenn das einfach so untergeht. Immerhin geht es hier um gesundheitliche Effekte, die viele Jahre nach dem Verlassen der Klinik Spuren bei Eltern und Kindern hinterlässt! Außer Frage bleibt, dass es immer Ausnahmefälle gibt, bei denen diese Methode nicht umgesetzt werden kann.

Herr Kössel wollte bezüglich unseres Artikels „Neocams vs Känguruhen“ eine öffentliche Stellungnahme abgeben, die wir hier gerne mit einbinden werden, sobald diese erscheint. Leider konnten wir bis jetzt keine finden. Wir würden die Klinik gerne wieder ins rechte Licht rücken und so die Elternarbeit unterstützen. Zudem werden wir mit weiteren Aussagen abwarten, denn wir möchten nicht den Aussagen der Klinik diesbezüglich vorgreifen. Wir warten also auf die öffentliche Stellungnahme und hängen sie dann hier an.

Wir freuen uns auf eine tolle gemeinsame bondigorientierte Arbeit für und mit Eltern, die auch von der Klinik unterstütz wird. Vielleicht dürfen wir uns die Tatsachen ja auch ab und an live anschauen oder erfahren von Eltern, wie die Umsetzung war. Das würde uns sehr freuen.

 

Text: Navina Salomon
Bild: istockphoto; hansenn

Premierenfeier

ADELENE betritt die Bühne der Magazinwelt

Gut ein halbes Jahr lang haben wir, Navina, Madelaine und Natalie, nun an unserer ersten Ausgabe des Fachmagazins ADELENE gebastelt. Immer wieder trafen wir uns zu Absprachen und Ideenaustausch und kamen mit jedem Tag dem Ziel näher, endlich ein Zeitschriftenformat auf den Markt zu bringen, dass mit Ammenmärchen aufräumt und als unkomplizierter Leitfaden Fachwissen vermittelt.

ADELENE geht jeden etwas an: neugierige Leser, Berufskollegen und Fachexperten. Und alle, die in ihrem Bauchgefühl bestärkt werden möchten, dass sie ihren Weg in puncto Schwangerschaft, Geburt und Familie selbstbewusst gehen können, finden in ADELENE das richtige Handwerkszeug.


Premierenfeier am Donnerstag, 8. Juni, ab 15 Uhr

Zum Magazinstart gibt es eine kleine Premierenfeier am Donnerstag, 8. Juni, ab 15 Uhr im Pachamama-Laden. Wir wollen mit euch anstoßen auf das Geschaffte, auf unsere Leser, auf einen anderen Weg, den dieses Magazin mit seiner Themenauswahl einschlagen will. Wir freuen uns auf anregende Gespräche, Diskussionen und Denkanstöße. Das ist eure Chance, die Themen von ADELENE aktiv mitzugestalten.

Ab 16 Uhr können sich die werdenden Mamis in unserer Runde von Nicole Gratz, Inhaberin der Agentur Kinderzeit, den Bauch mit Pinsel und Farbe verschönern lassen. Es warten Gesundes wie ein Früchte-Buffet und Gemüsesticks, Süßes in Form eines veganen Kuchenbuffets als auch Herzhaftes wie Pizzabrötchen auf hungrige Abnehmer. Während ihr die kleinen Köstlichkeiten genießt, könnt ihr alle eure Fragen an uns als Redaktionsteam und zum ADELENE-Magazin loswerden.

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Alle die sich eine ADELENE mitnehmen möchten, gibt es den Sonderpreis von 3,95 € statt 4,95 € exklusiv zum Magazin-Debüt.

Hier kann das Magzin ebenfalls erworben werden: www.adelene-maagzin.de

Tragedisco zum Ausklang

Als Abschluss der Veranstaltung gibt es um 17 Uhr für alle Gäste eine Tragedisco, wo auch die kleinsten Besucher im Tragetuch oder in der Trage in Schwung kommen. Hier können die Eltern den Stress des Alltags loslassen und das mit dem Nachwuchs im Schlepptau. Diesmal ohne Eintritt!

Ihr seid herzlich eingeladen, mit uns diesen ersten Meilenstein von ADELENE zu feiern. Wir sind gespannt, wie ihr sie findet.

Und wünschen euch eine gute Zeit mit uns!

Neocams vs. Känguruhen

Unser Standpunkt ist klar:

Mehrmals wurden wir als Pachamama Laden angefragt, ob wir uns an der Spendenaktion für die Neocams, für die Neonatologie des städtischen Klinikums Brandenburg, beteiligen wollen. Auf dem Brandenburger Kids Day wurden wir dann von einer Spendenaktivistin persönlich angesprochen. Und auch hier gab es die klare Antwort: NEIN!
Die Reaktion war wie gewohnt: Entsetzen und der Versuch, zu erklären, warum gerade dieser Spendenaufruf eine wichtige Aktion wäre und gerade wir als Laden mit Kursangeboten, welcher scheinbar großes Interesse daran habe, Eltern und Kinder in Verbindung zu bringen, sich doch unbedingt daran beteiligen müsse.

Die Antwort muss genau darum ein klares NEIN sein!

Neocams sind hier nicht die Pauschallösung, Eltern und Kinder in Verbindung zu bringen. Sie werden als Notlösung eingesetzt, um Eltern und Kinder in den meisten Fällen weiterhin unnötig voneinander fern zu halten. Und sie sind ein Hilfeschrei derer, die gerne zu ihren Kindern wollen: die Eltern! Welche seelischen Qualen erleiden Eltern, wenn sie von fern her ihr Kind ansehen und es nicht berühren dürfen? Nicht stillen? Nicht auf der eigenen Haut fühlen und stattdessen fremde Hände sehen, die es versorgen?

Und mit welchem Recht tun Menschen dies Menschen an, wo wir doch eindeutige Belege dafür haben, dass es anders wesentlich gesünder und sogar kostengünstiger sein kann?

Eltern gehören zu ihren Kindern. Von Anfang an!

Neonatologische Einrichtungen im In- und Ausland, die bewusst die Eltern so früh wie möglich in die Betreuung ihrer Kinder einbeziehen, können überzeugende Zahlen darlegen. Schon kurz nachdem Anfang der 90er Jahre intensivmedizinsche Bereiche für Extremfrühchen eingerichtet wurden, schlug die Neonatologin Marina Marcovich in Österreich den sanften Weg ein. Dadurch steigerte sie die Überlebensrate dieser kleinen Patienten um mindestens 1/3 und teilweise bis zu 50 Prozent des damalig üblichen Landesdurchschnitts.

„Sanft“ bedeutete für sie, so wenig Intervention wie möglich. Ohne das Leben des Kindes zu riskieren und so viel Hautkontakt zwischen Kind und Eltern wie möglich. Die Eltern wurden in die Pflege ihres Kindes bewusst eingeführt und übernahmen diese ungefähr am 4. Tag selbst. Dieser intensive Hautkontakt und Selbstverantwortung zwischen Eltern und Kind ist eine wesentliche Voraussetzung, fehlende intrauterine Entwicklungsmomente stress-, angst- und verlustfrei nachzuholen. Von Dr. Odent, über Prof. Spitzer bis hin zu G. Hüther haben wir heute eine ganze Bandbreite an neurowissenschaftlichen Experten, die genau erklären können, warum diese frühe, ununterbrochene Eltern-Kind-Bindung (Bonding) das A und O für eine wachsende Überlebenschance ist. Kurz: es ist das JA zum Leben.

„Der Statistikausschnitt von Dr. Marcovich aus dem Vortrag am Embryologie-Kongress 2002 in Nijmegen zeigte, dass nach ihrer Methode:

  • plötzlich nur noch 20 % dieser Frühgeborenen beatmen werden mussten
  • und dass 93 % der Kinder eine funktionstüchtige Lunge hatten, selbst bei den ganz Kleinen, die bei der Geburt weniger als 1500 Gramm wogen;
  • weniger Kinder starben; bei uns damals 15 % bei den Kindern unter 1500 Gramm und bei den Kindern unter 1000 Gramm 24 %; aber im österreichischen Durchschnitt waren es damals 55 %, also über die Hälfte der unter 1000 Gramm Geborenen, die gestorben sind;
  • deutlich weniger Hirnblutungen vorkamen, wenn wir die technische Medizin zurücknehmen konnten; und daraus auch eine geringere Anzahl von Behinderungen resultierte;
  • in einer Zeit, wo die Behinderungsrate oft bei 30 % und darüber lag, wir eine Behinderungsrate von 4 % hatten.“
Was wäre also wirklich eine Hilfe für Eltern und Kind?

Die Belegschaft – von Schwestern, Pflegern bis hin zu Ärzten – tun sicher auch hier im Klinikum ihr Bestes. Aber sollte es wirklich so sein, dass es kein Interesse an Weiterbildungskontexten gibt? Das Zahlen aus der Fachwelt (auch aktuelle beispielsweise aus Kliniken mitten in Deutschland) einfach ignoriert werden? Mit welchen Konsequenzen und Langzeitfolgen für die Familien, die noch weit über die Entlassungszeit hinaus zu spüren sein werden?


Wir bieten als Pachamama Laden genau hier gerne unseren Ansatz an: Eltern und Kinder in WAHRE Verbindung bringen.


Wir sind gerne bereit, das Personal bei der Methode des Känguruhen zu unterstützen. Dies ist eine von Schulmedizinern längst anerkannte Methode, auch Extremfrühchen direkt auf Mamas oder Papas Bauch zu platzieren und ihre Entwicklung in allen Bereichen optimal zu unterstützen. Gerne bestellen wir dafür die speziellen Tücher, sprechen mit der Belegschaft über die Hintergründe und suchen nach Möglichkeiten der Umsetzung. Außerdem nehmen wir uns gern die Zeit, um auch die Eltern in Kooperation der Schwestern, Pfleger und Ärzte in die Methodik einzuführen.

Zudem würden wir gerne für Weiterbildungen in dieser Richtung sorgen: indem wir Kontakte zu speziellen Fachleuten herstellen und Terminmöglichkeiten vereinbaren. Oder auch versuchen, einen Austausch zu Kliniken zu organisieren, die diese Methodik bereits umsetzen. Wobei das städtische Klinikum eigentlich nur mal bei der „großen Schwester“ anfragen müsste: wie wäre es z.B. mit dem Direktor der Neonatologie der Charité, Prof. Dr. Christoph Bührer, der sogar betont, wie die Stillquote gestiegen ist, seitdem die Methode des Känguruhen eingeführt wurde und sehr bedauert, dass diese überzeugende Methodik noch viel zu selten angewandt wird. Ähnlich argumentiert der Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe im St. Josephs Krankenhaus in Berlin, Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, mit dem Zusatz, dass dadurch gleich die häufige Früchenkomplikation der Mangeldurchblutung des Darms minimiert sei und durch das Känguruhen viel schneller die Temperatur stabil gehalten werden könne. Zudem betont Bührer klar, dass das Känguruhen keinesfalls unsicher ist. (mehr hier: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/kaenguruhen-in-mamas-beutel/11312006.html)

Ausländische Kliniken zeigen auf: je länger die Kinder im direkten Körperkontakt zu ihren Eltern sind, desto besser die Werte. Bis zu 70% des Tages ist es in manchen Kliniken üblich, die Kinder direkt auf der nackten Elternbrust liegen zu lassen.

Sollte es wirklich fehlende Zusatzqualifikation und Wille sein, die eine bessere Qualität für so kleine Menschen verhindert und das elterliche Leid erhöht?

Das bekommen wir doch gemeinsam besser hin! Oder?

 

© Foto: privat

Zwei knallharte Fakten …

… warum Geburt JEDEN interessieren sollte:
1. So wie wir geboren werden, so leben wir.

Geburt prägt unsere Biografie – bei Mann und Frau. Auch wenn es viele Kompensationsmöglichkeiten gibt. Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensmonate – kaum eine andere Zeit spiegelt sich im späteren Lebensweg so deutlicher wieder. Zum Beispiel können bereits bestimmte Medikamente und weitere Interventionen, welche unter der Geburt eine Rolle spielten, in recht deutlichen Bezug zu gewissen späteren psychologischen Handlungsmustern, Abhängigkeiten, Suiziden etc. gesetzt werden. Verschiedene Fachbereiche (z.B. Epigenetik) können hier klare Aussagen treffen. Schön dokumentiert das u.a. der Film „Imprinting- die Quelle des Friedens“ (Vortragslink siehe unten; gemeinsames Anschauen ermöglichen wir euch im Rahmen anschließender Erzählkreise im Pachamama).

2. Geburt ist eine leicht manipulierbare Stellschraube im Evolutionsprozess ALLER Menschen

Die wissenschaftliche Entdeckung eines Teams um den Arzt Dr. Michel Odent zeigt: in den Bereichen, in denen Geburt vermehrt künstlich interveniert wird, wird bereits in der jetzigen Generation messbar vermindert Oxytocin vererbt. Qxytocin – das Bindungshormon und essenziell für unsere Beziehung. Kurz: ohne Oxytocin kein Sex, keine natürlich Geburt, kein Stillen … Mittels künstlicher Intervention (Eingriffe) unter der Geburt vererben wir dem nächsten Körper die genetische Information: Oxytocin ist nicht notwendig. Zudem kann durch das in Kliniken zu häufig übliche zu frühe Abnabeln der Oxytocinspeicher vom Kind nicht voll geladen werden. Evolutionsprozesse sind auf Anpassung angelegt: Was der Körper nicht braucht, wird abgeschafft. Das Tempo in dieser wissenschaftlichen Entdeckung sollte allerdings besorgniserregend genug sein und erfordert ein umgehendes Handeln von uns allen.

Dieses Handeln ist von anderen Seiten jedoch längst eingetreten. Oder warum ist es Politik und Wirtschaft ein so großes Anliegen, natürliche Geburten, wie sie fast nur noch bei Hausgeburt und Geburten im Geburtshaus vorkommen, regelrecht den Gar aus zu machen? Die wissenschaftliche Seite zeigt deutlich genug Zahlen wie sicher, kostengünstig und gesünder diese natürlich Form der Geburten ist. Warum gibt es also ein so großes Interesse daran, dies nicht zu ermöglichen?

Geht es hier noch um viel mehr als „nur“ Männerherrschaft über Frauen? Vielleicht um komplexes Eingreifen in ganze Evolutionsprozesse? Ganz still und leise, weil sich kaum jemand für das Thema Geburt interessiert? Aktivisten engagieren sich doch lieber in neuen politisch entstehenden Bereichen, Ernährungs- und Umweltdemos etc. – was natürlich auch wichtig ist. ABER: alle übersehen das kleine, feine Rädchen, an dem hier geschraubt wird und uns alle verändert. Bis wann? Bis Aktivisten gar nicht mehr fähig sind, in Kommunikation zu treten und für ihre Rechte einstehen können, weil ihnen die genetischen Grundlagen fehlen … Harte Worte? Wir finden, es wird Zeit. Guten Morgen.


Mehr Fakten bekommst du mit ADELENE ab Mitte Mai aus deinem Pachamama Laden.

Oder auch viele schlagkräftige Argumente im Film „Die sichere Geburt“ von Carola Hauck, der übrigens bis zum 5. Mai noch ein paar Unterstützer sucht: zum Crowdfunding-Projekt
Gibt jeder eine Hand voll, könnte es ein toller Erfolg werden ohne das sich ein einzelner nackig machen muss.

Quelle und Infos auch hier: Dr. Michel Odent „Wo wollen wir als Menschheit hin?“

Dank dem freundlichen Hinweis von Willi Maurer hier für euch ein Vortrag von ihm in Berlin 2016: „Geburt, Imprinting und Zugehörigkeit“

 

Wer Lust auf Rätsel hat, kann bis zum 2.5. für einen kleinen, feinen Gewinn mitmachen. Die Frage, auf die es zwei richtige Antworten gibt, lautet: wer oder was ist ADELENE?
Eure Antworten sendet ihr an unsere Ladenadresse.

von Navina Salomon

Titelbild: © Annemonefilm; Carola Hauck

Stoffwindeln –
einfach, umweltschonend und schick

Nichts landet im Pachamama-Laden, das nicht von Navina und Madelaine getestet wurde. Die Stoffwindel-Systeme von GroVia und TotsBots gehören dazu. Sie sind genauso einfach zu händeln wie Wegwerfwindeln, man hat immer alles zu Hause und mittlerweile gibt es sie in tollen Designs. Und das sind nur einige der Vorteile, die uns überzeugt haben. Wir haben es gern bequem beim Wickeln. Mit den modernen Stoff-Varianten kein Problem. Und nicht nur unsere Kinder profitieren von den
Stoffwindeln, sondern auch unser Budget. Schließlich können sie für mehrere Kinder genutzt werden.

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Etwa 1000 Euro spart man mit Stoffwindeln pro Kind bei einer Wickelzeit von zirka zwei Jahren. Selbst wenn man die Energie-, Wasser- und Waschmittelkosten für die Stoffwindeln hinzurechnet. Uns als Mamas ist es besonders wichtig, dass die Kinder durch diese Wickelart ihr Gefühl dafür behalten, was bei der Ausscheidung vor sich geht und so schneller trocken werden. Wie das geht? Das erfahrt ihr zum Beispiel im Kursangebot „Windelfrei und Stoffwindeln“ ab dem 27. März bei uns im
Laden. Viele Wegwerfwindeln hingegen halten die Kinder nicht nur staubtrocken, sondern saugen die Feuchtigkeit so schnell ein, dass ein Kind kaum bemerkt, dass gerade was in die Hose gegangen ist. Die Industrieprodukte weisen in Tests zwar kaum noch Schadstoffe auf, wie sich die verwendeten Materialien jedoch auf den Hormonhaushalt der Babys auswirken, ist nach wie vor unklar. Von den durch Wegwerfwindeln entstehenden Müllbergen, die unserer Umwelt zu schaffen machen, ganz zu schweigen. Rund 450 Jahre braucht es nämlich, bis eine klassische Wegwerfwindel vollständig recycelt ist. Nicht so die Stoffies. Ein toller Nebeneffekt ist, dass so dabei auch noch die Umwelt geschont wird. Mehr zu Wegwerfwindeln und lest ihr hier: https://www.test.de/Babywindeln-Pampers-machen-das-Rennen-1230140-1232292/
oder hier: http://www.bremer-umwelt-beratung.de/umwelttipps-kinder-windeln.html

Viele Eltern schreckt zunächst der scheinbar hohe Anschaffungspreis der
Stoffwindeln von durchschnittlich zirka 400 Euro ab. Wir finden: Nachrechnen lohnt sich. Für Wegwerfwindeln fallen in den ersten zwei Jahren der Wickelzeit zirka 1500 Euro an Kosten an (ø Windelpreis und inkl. Müllgebühren). Die Stoffwindeln können auch bei weiteren Kindern genutzt werden. Die Ersparnis erhöht sich also mit weiterem Familienzuwachs.

DSC_0014_klein DSC_0016_klein Zwei Systeme findet ihr im Pachamama-Laden in Brandenburg an der Havel. Das 2in1-Konzept der GroVia-Stoffwindeln ist durch das seitliche Druckknopf-System individuell einstellbar und passt dem Baby zwischen fünf und 17 Kilogramm. Die sieben Lagen Bio-Baumwolle werden in die Überhose geknöpft und bilden einen starken Saugkern, der ausgeklappt nach dem Waschen schnell trocknet und wieder einsatzbereit ist. Zusätzlich können weitere Saugeinlagen eingelegt werden. Die DSC_0028_kleinAll-in-Ones von TotsBots lassen sich mit Klettverschluss schließen. Hier sind wasserdichte Außenhülle und Saugkern fest miteinander verbunden. Letzterer besteht bei dieser Variante aus Bambus mit eingearbeiteter Mikrofaser. Die TotsBots passen von Geburt an, bis das Kind 15 Kilo schwer ist. Zum schnellen Trocknen wird hier der Saugkern aus der Tasche gezogen. Ein weiterer Vorteil der waschbaren Windelvarianten sind die schadstofffreien und hochwertigen Stoffe, die Babys Po trocken halten. Und sie wachsen mit und passen sich so perfekt an die kleinen Körper an. Damit das große Geschäft der Kleinen abgefangen und vor dem Waschen der Stoffies in der Toilette entsorgt werden kann, empfehlen wir ein Windelvlies. Das ist eine zugeschnittene Papiereinlage, die oben auf dem Saugkern platziert wird.

Für alle, die sich selbst von den Vorteilen der Stoffwindeln überzeugen möchten, ist es möglich, sich eine der Stoffwindeln für eine Woche auszuleihen und herauszufinden, wie umwelt- und gesundheitsschonendes modernes Wickeln aussehen kann. Einen unabhängigen Erfahrungsbericht findet ihr hier: http://www.sueddeutsche.de/leben/nachhaltigkeit-stoffwindeln-oderwegwerfwindeln-was-ist-oekologischer-1.3043389

Alles rund um die Stoffwindeln, eine ausführliche Beratung und Tipps und Tricks zum Waschen gibt es in den Pachamama-Kursen zur alternativen Geburtsvorbereitung und den Infoveranstaltungen „windelfrei und Stoffies“ sowie der Elternschule „Zwerg AHOI“.

Bericht von Natalie Häuser, Fotos: privat