Gewalt unter der Geburt
trifft auch Männer

Am 25. November ist der Tag für die globale Bewegung gegen Gewalt in der Geburtshilfe. Im Rahmen des Roses Revolution bieten wir im Pachamama-Laden am

Donnerstag, den 23.11. von 13:00 bis 16:00 Uhr eine Austauschrunde mit Fakten

zur aktuellen Lage und persönlichen Gesprächen an. Hier erfährst du, was Roses Revolution genau ist und welches Ziel damit verfolgt wird. Du kannst deine Geschichte loswerden und verschiedene Infos bis hin zu kleinen Übungen erleben, die dich im Heilungsprozess unterstützen können. Und natürlich kannst du deine Rose für den 25. mitnehmen.

Und du erfährst, wie auch du ein Zeichen setzen kannst.

Du gehörst zum Fachpersonal rund um die Thematik Geburt? Komm vorbei und erfahre, wie wichtig dein Einsatz ist!

Seit 2013 findet jedes Jahr am 25.11. der internationale Tag gegen Gewalt unter der Geburt statt. An diesem Tag (nach einer Idee von Jesusa Ricoy auf der 3. Human Rights in Childbirth Konferenz ins Leben gerufen) können Frauen ganz offiziell oder anonym ein Zeichen setzen. Denn Tatsache ist: tagtäglich findet auch in Deutschland Gewalt unter der Geburt statt. Laut Tara Franke (Hebamme und Sexualpädagogin) ist diese Form der Gewalt mit ähnlichen Folgen wie nach sexuellem Missbrauch behaftet und unterliegt ganz unterschiedlichen und in erster Linie subjektiven Empfindungen und reichen von körperlich sichtbar bis hin zu seelisch versteckt. Von vielen Seiten bestätigt wird auch ihre Aussage, dass das Hauptproblem darin läge, dass es sich in den allermeisten Fällen NICHT um vorsätzliche Übergriffe handle.

Die Folgen für die Betroffenen sind jedoch meist über Jahre hinweg sicht- und spürbar. Und sie sind manigfaltig: bei Kind, Mutter und Vater! Roses Revolution ist ein Tag, an dem sich Betroffene wieder ein Stück ihres Selbstwertgefühles, ihres Rechtes nach Geachtet werden zurückholen können: indem sie an dem Ort der Erfahrung eine Rose niederlegen und/ oder einen Brief schreiben. Dieser Tag dient dazu, auch sichtbar zu machen: es passiert viel zu häufig. Laut Experten, die unter anderem jedes Jahr die Auswertungen der Roses Revolution machen, könne eine Schwarzzahl von ungefähr der Hälfte aller Geburten jährlich ausgegangen werden, die unter Gewalt stattgefunden hat.

Extremfälle sind hier und da jedem bekannt. Aber eigentlich müssen wir fragen, ab wann beginnt Gewalt? Und wenn die meisten Formen dessen nicht absichtlich angewandt wurden: wie schaffen wir es, hier zu sensibilisieren? Welche Mechanismen führen dazu, dass Menschen anderen Menschen scheinbar so ganz unbeabsichtigt Gewalt in einer der intimsten und prägendsten Stunden des Lebens zufügen?

Welche Rolle spielen dabei Männer? Und wie erleben Männer solche Momente- die Quote von traumatisierten Männern nach einer Geburtsbegleitung ist recht bedeutsam? Und welche Möglichkeiten haben vielleicht gerade die begleitenden werdenden Väter, hier einen Schutzraum zu bieten?

Einige Ansätze bietet hier deine nächste ADELENE (Dezemberausgabe) und möchte zum Nachdenken anstoßen. Dieses umfassende Thema wird von ADELENE sicher immer mal wieder aufgegriffen werden. Und die Aussagen ist ganz klar: schickt uns gerne eure Berichte: als Betroffener, aber auch gern als „Täter“. Schaffen wir einen Dialog?

Im Namen des nächsten Roses Revolution am 25.11.2017: Liebe betroffenen Männer, fühlt euch eingeladen, ebenfalls diesen Tag zu nutzen, um ein Zeichen mit eurer Rose und/oder mit eurem Bericht niederzulegen!

Autorin: Navina Salomon

Mehr Infos findest du unter anderem auf: www.gerechte-geburt.de

Quellen: (Tara Regine Franke 2007; 6. Dt. Still- und Laktationskongress in Göppingen); (Roses Revolution Deutschland; Pressemittteilung 16.05.2017)

1 Jahr pachamama – ein Resümee

Seit einem Jahr kümmern sich Madelaine Böhm (31) und Navina Salomon (34) im Pachamama-Laden um Frauen mit Babys, Frauen ohne Babys, Frauen in der Schwangerschaft, aber auch Papas und Großeltern finden hier Hilfe und Informationen rund um das Leben als Familie. Madelaine Böhm erzählt im Interview über das erste Jahr als Ladenbesitzerin.

Wie zufrieden bist du mit der aktuellen Situation?
Der August war bisher der beste Monat. Nicht nur vom Umsatz her, sondern weil viele Brandenburger im Laden waren und auch wiederkommen. Manchmal wünsche ich mir jedoch, dass noch mehr Frauen und Familien einfach mal in den Laden schnuppern kommen. Es ist noch Luft nach oben. Ich wurde vorher allerdings gewarnt, dass Ladenbesitzer es hier nicht einfach haben.

Wie überbrückst du finanzielle Engpässe?
Mein Privatleben kann ich durch den Laden bisher nicht finanzieren. Und da bin ich sicherlich nicht die einzige Unternehmerin, der es so geht. Man muss es aber auch mal aussprechen, um die Leute darauf aufmerksam zu machen. Zurzeit wird alles was ich im Laden umsetze, wieder in neue Ware investiert.

Wie würdest du deinen Laden für jemanden beschreiben, der noch nicht vor Ort war?
Gemütlich. Mit Platz zum Stillen, Wickeln und Spielen. Ein Laden voll mit Produkten und Kursangeboten die Anregen auch mal was Neues auszuprobieren.

Was glaubst du ist der Grund, dass viele Kunden deiner Zielgruppe den Laden noch nicht entdeckt haben?
Einerseits die eingeschränkten Ladenöffnungszeiten. Das ist leider für mich als alleinerziehende Mutter momentan nicht anders zu stemmen. Andererseits stelle ich fest, dass die Hemmschwelle den Laden zu betreten noch immer sehr groß ist. Dabei haben auch Kinderwagen bei uns Platz. Einige kommen erst zu uns, wenn sie zum Beispiel schon eine Trage gekauft haben und bemerken, dass es für sie oder das Kind unbequem ist. Der direkte Kontakt vorab wird gescheut. Oder wir beraten die Kunden und sie kaufen dann im Internet. Das Internet ist generell für die Einzelhändler vor Ort die größte Konkurrenz.

Oder ist Tragen vielleicht nur eine kurzweilige Modeerscheinung?
Nein. Nagelstudios sind für mich eine Modeerscheinung.

Was ist das besondere am Tragen und warum sollte man sich im Pachamama-Laden beraten lassen?
Ich würde schätzen, dass etwa 20 Prozent der Brandenburger ihre Kinder überwiegend tragen. 10 Prozent davon tragen sichtlich unbequem. Uns geht es dabei nicht primär um den praktischen Effekt, sondern vor allem ums Kind. Für mich persönlich ist Tragen die Grundlage der Erziehung. Wir Menschen sind Traglinge. Diese enge Bindung macht uns zu sozialen Wesen. Es entsteht eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wer bei uns eine Trageberatung bucht, bekommt alle wichtigen Infos und Handgriffe auf den Weg, damit Kind und Eltern es gleichermaßen genießen können.

Wie möchtest du noch mehr Kunden erreichen?
Ein Laden muss wachsen und deshalb erweitern wir ständig das Sortiment und passen die Kursangebote an. Wir gehen Kooperationen ein und ermöglichen zum Beispiel die Kinderbetreuung in der Innenstadt gemeinsam mit dem Citymanagement, eine Krabbelgruppe mit der Agentur für Kinderbetreuung KinderZeit und eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Frühchen mit der Caritas. Eine bessere Kooperation mit den Hebammen vor Ort wäre wünschenswert.

Wir betreuen außerdem einen Blog und haben kürzlich eine deutschlandweite Fachzeitschrift (www.adelene-magazin.de) herausgebracht.

Aber es ist gar nicht so einfach diesen Anlaufpunkt in der Stadt zu entdecken, wenn nicht auch vonseiten der Stadt mehr getan wird. So geht es auch anderen kleinen Geschäften in Brandenburg. In Gedanken träume ich von einer autofreien Innenstadt. Somit sind die Kunden angehalten wieder einmal „bummeln“ zu gehen und entdecken ganz von selbst das ein oder andere Geschäft. Eine Suchmöglichkeit im Internet mit allen Läden und ihrem Sortiment auf der Seite der Stadt würde sich ebenfalls lohnen. Quasi ein Brandenburg-Google.

Wer lokal einkauft erhält eine lebendige Innenstadt. Es wäre schade, wenn viele kleine Läden schließen müssen, damit geht auch ein gewisses Flair verloren.

Was möchtest du den Brandenburgern noch mit auf den Weg geben?
Im Pachamama-Laden werden Produkte verkauft, von denen man dauerhaft profitiert. Und falls Fragen aufkommen sind wir da, um sie zu beantworten. Wir sind aber nicht nur Geschäft, sondern auch Treffpunkt. Einfach mal reinkommen und sich umschauen, sich mit anderen austauschen und auch neue Ansätze entdecken. So sind hier schon viele neue Bekanntschaften entstanden.

Anlässlich unseres einjährigen Bestehens am 7. September gibt es 10 % Rabatt auf unsere Produkte und Kursangebote. Wir freuen uns auf viele Besucher.

 

Ein Interview von Natalie Preißler.

Känguruhen vs Neocams –
Stand der Dinge?

Es ist nun bereits über einen Monat her, als ich ein sehr schönes Telefonat mit Dr. Kössel, Chefarzt der Kinderstation im Klinikum hatte. An dieser Stelle ein fettes Dankeschön!!! für das sehr lange und ausführliche Gespräch! Und natürlich bin ich und sind wir immer für Gespräche bereit.

Da uns diese ersten prägenden Stunden, Tage und Wochen sehr wichtig sind, freut es uns, dass wir erfuhren, dass das Klinikum bereits seit Amtsantritt von Dr. Kössel das Känguruhen eingeführt hat. Uns wurde versichert, dass Elternarbeit gerade auf der Frühchen-/Intensivstation hoch geschrieben wird und es auch keinerlei Besuchszeiten mehr gibt. Heißt: Eltern könnten wohl jederzeit zu ihren Kindern, sie stillen, selbst pflegen und versorgen. Hierbei würden die Eltern, wie wir es in unserem Artikel von anderen Kliniken beschrieben, kompetente Einführung und Begleitung erhalten.

Da seitens der Klinik zudem bedauert wurde, dass wir nicht VOR dem Artikel mit der Klinik gesprochen haben und uns den aktuellen Stand hätten geben lassen, auch hier nochmal die Erklärung: Die Frage zur Spende der Neocams wurde an uns von außen herangetragen. Auch nach einigen Gesprächen wurde hier zu keinem Zeitpunkt ersichtlich, dass die Idee, Neocams für Eltern zur Verfügung zu stellen, von der Klinik initiiert wurde. Viel mehr erschien es uns, als würden Eltern versuchen, irgendwie einen Kontakt zu ihren Kindern zu bekommen, der ihnen in einer ausreichenden Bandbreite verwehrt wäre und so der Versuch, mittels Neocams ihr Kind wenigstens sehen zu können, entstand.

Das in der Klinik Känguruhen bereits seit vielen Jahren, professionell angeleitet und ausführlich für ein gutes Bonding praktiziert werde, war uns ebenfalls neu. Seit fast 10 Jahren arbeite ich mit werdenden Eltern – hauptsächlich ehrenamtlich – und habe leider noch von keinem Elternteil und/oder Fachkraft in diesem Bereich gehört, dass auf der Frühchen-/Intensivstation Känguruhen umgesetzt wird. Die Aussage seitens Herrn Kössel es liegt daran, dass in der Klinik selbst einfach diese Begrifflichkeit nicht genutzt wird, ist durchaus plausibel. Allerdings erkläre ich die Methode immer, wenn ich mit Eltern im Gespräch bin und dann müsste doch eine Ähnlichkeit erkennbar sein?

Daher ist mein Vorschlag, dass wir gemeinsam einen öffentlichen Artikel dazu machen. Denn diese tollen Praktiken der Neonatologie scheinen bei vielen Eltern nicht angekommen und es ist schade wenn das einfach so untergeht. Immerhin geht es hier um gesundheitliche Effekte, die viele Jahre nach dem Verlassen der Klinik Spuren bei Eltern und Kindern hinterlässt! Außer Frage bleibt, dass es immer Ausnahmefälle gibt, bei denen diese Methode nicht umgesetzt werden kann.

Herr Kössel wollte bezüglich unseres Artikels „Neocams vs Känguruhen“ eine öffentliche Stellungnahme abgeben, die wir hier gerne mit einbinden werden, sobald diese erscheint. Leider konnten wir bis jetzt keine finden. Wir würden die Klinik gerne wieder ins rechte Licht rücken und so die Elternarbeit unterstützen. Zudem werden wir mit weiteren Aussagen abwarten, denn wir möchten nicht den Aussagen der Klinik diesbezüglich vorgreifen. Wir warten also auf die öffentliche Stellungnahme und hängen sie dann hier an.

Wir freuen uns auf eine tolle gemeinsame bondigorientierte Arbeit für und mit Eltern, die auch von der Klinik unterstütz wird. Vielleicht dürfen wir uns die Tatsachen ja auch ab und an live anschauen oder erfahren von Eltern, wie die Umsetzung war. Das würde uns sehr freuen.

 

Text: Navina Salomon
Bild: istockphoto; hansenn

Premierenfeier

ADELENE betritt die Bühne der Magazinwelt

Gut ein halbes Jahr lang haben wir, Navina, Madelaine und Natalie, nun an unserer ersten Ausgabe des Fachmagazins ADELENE gebastelt. Immer wieder trafen wir uns zu Absprachen und Ideenaustausch und kamen mit jedem Tag dem Ziel näher, endlich ein Zeitschriftenformat auf den Markt zu bringen, dass mit Ammenmärchen aufräumt und als unkomplizierter Leitfaden Fachwissen vermittelt.

ADELENE geht jeden etwas an: neugierige Leser, Berufskollegen und Fachexperten. Und alle, die in ihrem Bauchgefühl bestärkt werden möchten, dass sie ihren Weg in puncto Schwangerschaft, Geburt und Familie selbstbewusst gehen können, finden in ADELENE das richtige Handwerkszeug.


Premierenfeier am Donnerstag, 8. Juni, ab 15 Uhr

Zum Magazinstart gibt es eine kleine Premierenfeier am Donnerstag, 8. Juni, ab 15 Uhr im Pachamama-Laden. Wir wollen mit euch anstoßen auf das Geschaffte, auf unsere Leser, auf einen anderen Weg, den dieses Magazin mit seiner Themenauswahl einschlagen will. Wir freuen uns auf anregende Gespräche, Diskussionen und Denkanstöße. Das ist eure Chance, die Themen von ADELENE aktiv mitzugestalten.

Ab 16 Uhr können sich die werdenden Mamis in unserer Runde von Nicole Gratz, Inhaberin der Agentur Kinderzeit, den Bauch mit Pinsel und Farbe verschönern lassen. Es warten Gesundes wie ein Früchte-Buffet und Gemüsesticks, Süßes in Form eines veganen Kuchenbuffets als auch Herzhaftes wie Pizzabrötchen auf hungrige Abnehmer. Während ihr die kleinen Köstlichkeiten genießt, könnt ihr alle eure Fragen an uns als Redaktionsteam und zum ADELENE-Magazin loswerden.

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Alle die sich eine ADELENE mitnehmen möchten, gibt es den Sonderpreis von 3,95 € statt 4,95 € exklusiv zum Magazin-Debüt.

Hier kann das Magzin ebenfalls erworben werden: www.adelene-maagzin.de

Tragedisco zum Ausklang

Als Abschluss der Veranstaltung gibt es um 17 Uhr für alle Gäste eine Tragedisco, wo auch die kleinsten Besucher im Tragetuch oder in der Trage in Schwung kommen. Hier können die Eltern den Stress des Alltags loslassen und das mit dem Nachwuchs im Schlepptau. Diesmal ohne Eintritt!

Ihr seid herzlich eingeladen, mit uns diesen ersten Meilenstein von ADELENE zu feiern. Wir sind gespannt, wie ihr sie findet.

Und wünschen euch eine gute Zeit mit uns!

Neocams vs. Känguruhen

Unser Standpunkt ist klar:

Mehrmals wurden wir als Pachamama Laden angefragt, ob wir uns an der Spendenaktion für die Neocams, für die Neonatologie des städtischen Klinikums Brandenburg, beteiligen wollen. Auf dem Brandenburger Kids Day wurden wir dann von einer Spendenaktivistin persönlich angesprochen. Und auch hier gab es die klare Antwort: NEIN!
Die Reaktion war wie gewohnt: Entsetzen und der Versuch, zu erklären, warum gerade dieser Spendenaufruf eine wichtige Aktion wäre und gerade wir als Laden mit Kursangeboten, welcher scheinbar großes Interesse daran habe, Eltern und Kinder in Verbindung zu bringen, sich doch unbedingt daran beteiligen müsse.

Die Antwort muss genau darum ein klares NEIN sein!

Neocams sind hier nicht die Pauschallösung, Eltern und Kinder in Verbindung zu bringen. Sie werden als Notlösung eingesetzt, um Eltern und Kinder in den meisten Fällen weiterhin unnötig voneinander fern zu halten. Und sie sind ein Hilfeschrei derer, die gerne zu ihren Kindern wollen: die Eltern! Welche seelischen Qualen erleiden Eltern, wenn sie von fern her ihr Kind ansehen und es nicht berühren dürfen? Nicht stillen? Nicht auf der eigenen Haut fühlen und stattdessen fremde Hände sehen, die es versorgen?

Und mit welchem Recht tun Menschen dies Menschen an, wo wir doch eindeutige Belege dafür haben, dass es anders wesentlich gesünder und sogar kostengünstiger sein kann?

Eltern gehören zu ihren Kindern. Von Anfang an!

Neonatologische Einrichtungen im In- und Ausland, die bewusst die Eltern so früh wie möglich in die Betreuung ihrer Kinder einbeziehen, können überzeugende Zahlen darlegen. Schon kurz nachdem Anfang der 90er Jahre intensivmedizinsche Bereiche für Extremfrühchen eingerichtet wurden, schlug die Neonatologin Marina Marcovich in Österreich den sanften Weg ein. Dadurch steigerte sie die Überlebensrate dieser kleinen Patienten um mindestens 1/3 und teilweise bis zu 50 Prozent des damalig üblichen Landesdurchschnitts.

„Sanft“ bedeutete für sie, so wenig Intervention wie möglich. Ohne das Leben des Kindes zu riskieren und so viel Hautkontakt zwischen Kind und Eltern wie möglich. Die Eltern wurden in die Pflege ihres Kindes bewusst eingeführt und übernahmen diese ungefähr am 4. Tag selbst. Dieser intensive Hautkontakt und Selbstverantwortung zwischen Eltern und Kind ist eine wesentliche Voraussetzung, fehlende intrauterine Entwicklungsmomente stress-, angst- und verlustfrei nachzuholen. Von Dr. Odent, über Prof. Spitzer bis hin zu G. Hüther haben wir heute eine ganze Bandbreite an neurowissenschaftlichen Experten, die genau erklären können, warum diese frühe, ununterbrochene Eltern-Kind-Bindung (Bonding) das A und O für eine wachsende Überlebenschance ist. Kurz: es ist das JA zum Leben.

„Der Statistikausschnitt von Dr. Marcovich aus dem Vortrag am Embryologie-Kongress 2002 in Nijmegen zeigte, dass nach ihrer Methode:

  • plötzlich nur noch 20 % dieser Frühgeborenen beatmen werden mussten
  • und dass 93 % der Kinder eine funktionstüchtige Lunge hatten, selbst bei den ganz Kleinen, die bei der Geburt weniger als 1500 Gramm wogen;
  • weniger Kinder starben; bei uns damals 15 % bei den Kindern unter 1500 Gramm und bei den Kindern unter 1000 Gramm 24 %; aber im österreichischen Durchschnitt waren es damals 55 %, also über die Hälfte der unter 1000 Gramm Geborenen, die gestorben sind;
  • deutlich weniger Hirnblutungen vorkamen, wenn wir die technische Medizin zurücknehmen konnten; und daraus auch eine geringere Anzahl von Behinderungen resultierte;
  • in einer Zeit, wo die Behinderungsrate oft bei 30 % und darüber lag, wir eine Behinderungsrate von 4 % hatten.“
Was wäre also wirklich eine Hilfe für Eltern und Kind?

Die Belegschaft – von Schwestern, Pflegern bis hin zu Ärzten – tun sicher auch hier im Klinikum ihr Bestes. Aber sollte es wirklich so sein, dass es kein Interesse an Weiterbildungskontexten gibt? Das Zahlen aus der Fachwelt (auch aktuelle beispielsweise aus Kliniken mitten in Deutschland) einfach ignoriert werden? Mit welchen Konsequenzen und Langzeitfolgen für die Familien, die noch weit über die Entlassungszeit hinaus zu spüren sein werden?


Wir bieten als Pachamama Laden genau hier gerne unseren Ansatz an: Eltern und Kinder in WAHRE Verbindung bringen.


Wir sind gerne bereit, das Personal bei der Methode des Känguruhen zu unterstützen. Dies ist eine von Schulmedizinern längst anerkannte Methode, auch Extremfrühchen direkt auf Mamas oder Papas Bauch zu platzieren und ihre Entwicklung in allen Bereichen optimal zu unterstützen. Gerne bestellen wir dafür die speziellen Tücher, sprechen mit der Belegschaft über die Hintergründe und suchen nach Möglichkeiten der Umsetzung. Außerdem nehmen wir uns gern die Zeit, um auch die Eltern in Kooperation der Schwestern, Pfleger und Ärzte in die Methodik einzuführen.

Zudem würden wir gerne für Weiterbildungen in dieser Richtung sorgen: indem wir Kontakte zu speziellen Fachleuten herstellen und Terminmöglichkeiten vereinbaren. Oder auch versuchen, einen Austausch zu Kliniken zu organisieren, die diese Methodik bereits umsetzen. Wobei das städtische Klinikum eigentlich nur mal bei der „großen Schwester“ anfragen müsste: wie wäre es z.B. mit dem Direktor der Neonatologie der Charité, Prof. Dr. Christoph Bührer, der sogar betont, wie die Stillquote gestiegen ist, seitdem die Methode des Känguruhen eingeführt wurde und sehr bedauert, dass diese überzeugende Methodik noch viel zu selten angewandt wird. Ähnlich argumentiert der Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe im St. Josephs Krankenhaus in Berlin, Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, mit dem Zusatz, dass dadurch gleich die häufige Früchenkomplikation der Mangeldurchblutung des Darms minimiert sei und durch das Känguruhen viel schneller die Temperatur stabil gehalten werden könne. Zudem betont Bührer klar, dass das Känguruhen keinesfalls unsicher ist. (mehr hier: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/kaenguruhen-in-mamas-beutel/11312006.html)

Ausländische Kliniken zeigen auf: je länger die Kinder im direkten Körperkontakt zu ihren Eltern sind, desto besser die Werte. Bis zu 70% des Tages ist es in manchen Kliniken üblich, die Kinder direkt auf der nackten Elternbrust liegen zu lassen.

Sollte es wirklich fehlende Zusatzqualifikation und Wille sein, die eine bessere Qualität für so kleine Menschen verhindert und das elterliche Leid erhöht?

Das bekommen wir doch gemeinsam besser hin! Oder?

 

© Foto: privat

Zwei knallharte Fakten …

… warum Geburt JEDEN interessieren sollte:
1. So wie wir geboren werden, so leben wir.

Geburt prägt unsere Biografie – bei Mann und Frau. Auch wenn es viele Kompensationsmöglichkeiten gibt. Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensmonate – kaum eine andere Zeit spiegelt sich im späteren Lebensweg so deutlicher wieder. Zum Beispiel können bereits bestimmte Medikamente und weitere Interventionen, welche unter der Geburt eine Rolle spielten, in recht deutlichen Bezug zu gewissen späteren psychologischen Handlungsmustern, Abhängigkeiten, Suiziden etc. gesetzt werden. Verschiedene Fachbereiche (z.B. Epigenetik) können hier klare Aussagen treffen. Schön dokumentiert das u.a. der Film „Imprinting- die Quelle des Friedens“ (Vortragslink siehe unten; gemeinsames Anschauen ermöglichen wir euch im Rahmen anschließender Erzählkreise im Pachamama).

2. Geburt ist eine leicht manipulierbare Stellschraube im Evolutionsprozess ALLER Menschen

Die wissenschaftliche Entdeckung eines Teams um den Arzt Dr. Michel Odent zeigt: in den Bereichen, in denen Geburt vermehrt künstlich interveniert wird, wird bereits in der jetzigen Generation messbar vermindert Oxytocin vererbt. Qxytocin – das Bindungshormon und essenziell für unsere Beziehung. Kurz: ohne Oxytocin kein Sex, keine natürlich Geburt, kein Stillen … Mittels künstlicher Intervention (Eingriffe) unter der Geburt vererben wir dem nächsten Körper die genetische Information: Oxytocin ist nicht notwendig. Zudem kann durch das in Kliniken zu häufig übliche zu frühe Abnabeln der Oxytocinspeicher vom Kind nicht voll geladen werden. Evolutionsprozesse sind auf Anpassung angelegt: Was der Körper nicht braucht, wird abgeschafft. Das Tempo in dieser wissenschaftlichen Entdeckung sollte allerdings besorgniserregend genug sein und erfordert ein umgehendes Handeln von uns allen.

Dieses Handeln ist von anderen Seiten jedoch längst eingetreten. Oder warum ist es Politik und Wirtschaft ein so großes Anliegen, natürliche Geburten, wie sie fast nur noch bei Hausgeburt und Geburten im Geburtshaus vorkommen, regelrecht den Gar aus zu machen? Die wissenschaftliche Seite zeigt deutlich genug Zahlen wie sicher, kostengünstig und gesünder diese natürlich Form der Geburten ist. Warum gibt es also ein so großes Interesse daran, dies nicht zu ermöglichen?

Geht es hier noch um viel mehr als „nur“ Männerherrschaft über Frauen? Vielleicht um komplexes Eingreifen in ganze Evolutionsprozesse? Ganz still und leise, weil sich kaum jemand für das Thema Geburt interessiert? Aktivisten engagieren sich doch lieber in neuen politisch entstehenden Bereichen, Ernährungs- und Umweltdemos etc. – was natürlich auch wichtig ist. ABER: alle übersehen das kleine, feine Rädchen, an dem hier geschraubt wird und uns alle verändert. Bis wann? Bis Aktivisten gar nicht mehr fähig sind, in Kommunikation zu treten und für ihre Rechte einstehen können, weil ihnen die genetischen Grundlagen fehlen … Harte Worte? Wir finden, es wird Zeit. Guten Morgen.


Mehr Fakten bekommst du mit ADELENE ab Mitte Mai aus deinem Pachamama Laden.

Oder auch viele schlagkräftige Argumente im Film „Die sichere Geburt“ von Carola Hauck, der übrigens bis zum 5. Mai noch ein paar Unterstützer sucht: zum Crowdfunding-Projekt
Gibt jeder eine Hand voll, könnte es ein toller Erfolg werden ohne das sich ein einzelner nackig machen muss.

Quelle und Infos auch hier: Dr. Michel Odent „Wo wollen wir als Menschheit hin?“

Dank dem freundlichen Hinweis von Willi Maurer hier für euch ein Vortrag von ihm in Berlin 2016: „Geburt, Imprinting und Zugehörigkeit“

 

Wer Lust auf Rätsel hat, kann bis zum 2.5. für einen kleinen, feinen Gewinn mitmachen. Die Frage, auf die es zwei richtige Antworten gibt, lautet: wer oder was ist ADELENE?
Eure Antworten sendet ihr an unsere Ladenadresse.

von Navina Salomon

Titelbild: © Annemonefilm; Carola Hauck

Stoffwindeln –
einfach, umweltschonend und schick

Nichts landet im Pachamama-Laden, das nicht von Navina und Madelaine getestet wurde. Die Stoffwindel-Systeme von GroVia und TotsBots gehören dazu. Sie sind genauso einfach zu händeln wie Wegwerfwindeln, man hat immer alles zu Hause und mittlerweile gibt es sie in tollen Designs. Und das sind nur einige der Vorteile, die uns überzeugt haben. Wir haben es gern bequem beim Wickeln. Mit den modernen Stoff-Varianten kein Problem. Und nicht nur unsere Kinder profitieren von den
Stoffwindeln, sondern auch unser Budget. Schließlich können sie für mehrere Kinder genutzt werden.

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Etwa 1000 Euro spart man mit Stoffwindeln pro Kind bei einer Wickelzeit von zirka zwei Jahren. Selbst wenn man die Energie-, Wasser- und Waschmittelkosten für die Stoffwindeln hinzurechnet. Uns als Mamas ist es besonders wichtig, dass die Kinder durch diese Wickelart ihr Gefühl dafür behalten, was bei der Ausscheidung vor sich geht und so schneller trocken werden. Wie das geht? Das erfahrt ihr zum Beispiel im Kursangebot „Windelfrei und Stoffwindeln“ ab dem 27. März bei uns im
Laden. Viele Wegwerfwindeln hingegen halten die Kinder nicht nur staubtrocken, sondern saugen die Feuchtigkeit so schnell ein, dass ein Kind kaum bemerkt, dass gerade was in die Hose gegangen ist. Die Industrieprodukte weisen in Tests zwar kaum noch Schadstoffe auf, wie sich die verwendeten Materialien jedoch auf den Hormonhaushalt der Babys auswirken, ist nach wie vor unklar. Von den durch Wegwerfwindeln entstehenden Müllbergen, die unserer Umwelt zu schaffen machen, ganz zu schweigen. Rund 450 Jahre braucht es nämlich, bis eine klassische Wegwerfwindel vollständig recycelt ist. Nicht so die Stoffies. Ein toller Nebeneffekt ist, dass so dabei auch noch die Umwelt geschont wird. Mehr zu Wegwerfwindeln und lest ihr hier: https://www.test.de/Babywindeln-Pampers-machen-das-Rennen-1230140-1232292/
oder hier: http://www.bremer-umwelt-beratung.de/umwelttipps-kinder-windeln.html

Viele Eltern schreckt zunächst der scheinbar hohe Anschaffungspreis der
Stoffwindeln von durchschnittlich zirka 400 Euro ab. Wir finden: Nachrechnen lohnt sich. Für Wegwerfwindeln fallen in den ersten zwei Jahren der Wickelzeit zirka 1500 Euro an Kosten an (ø Windelpreis und inkl. Müllgebühren). Die Stoffwindeln können auch bei weiteren Kindern genutzt werden. Die Ersparnis erhöht sich also mit weiterem Familienzuwachs.

DSC_0014_klein DSC_0016_klein Zwei Systeme findet ihr im Pachamama-Laden in Brandenburg an der Havel. Das 2in1-Konzept der GroVia-Stoffwindeln ist durch das seitliche Druckknopf-System individuell einstellbar und passt dem Baby zwischen fünf und 17 Kilogramm. Die sieben Lagen Bio-Baumwolle werden in die Überhose geknöpft und bilden einen starken Saugkern, der ausgeklappt nach dem Waschen schnell trocknet und wieder einsatzbereit ist. Zusätzlich können weitere Saugeinlagen eingelegt werden. Die DSC_0028_kleinAll-in-Ones von TotsBots lassen sich mit Klettverschluss schließen. Hier sind wasserdichte Außenhülle und Saugkern fest miteinander verbunden. Letzterer besteht bei dieser Variante aus Bambus mit eingearbeiteter Mikrofaser. Die TotsBots passen von Geburt an, bis das Kind 15 Kilo schwer ist. Zum schnellen Trocknen wird hier der Saugkern aus der Tasche gezogen. Ein weiterer Vorteil der waschbaren Windelvarianten sind die schadstofffreien und hochwertigen Stoffe, die Babys Po trocken halten. Und sie wachsen mit und passen sich so perfekt an die kleinen Körper an. Damit das große Geschäft der Kleinen abgefangen und vor dem Waschen der Stoffies in der Toilette entsorgt werden kann, empfehlen wir ein Windelvlies. Das ist eine zugeschnittene Papiereinlage, die oben auf dem Saugkern platziert wird.

Für alle, die sich selbst von den Vorteilen der Stoffwindeln überzeugen möchten, ist es möglich, sich eine der Stoffwindeln für eine Woche auszuleihen und herauszufinden, wie umwelt- und gesundheitsschonendes modernes Wickeln aussehen kann. Einen unabhängigen Erfahrungsbericht findet ihr hier: http://www.sueddeutsche.de/leben/nachhaltigkeit-stoffwindeln-oderwegwerfwindeln-was-ist-oekologischer-1.3043389

Alles rund um die Stoffwindeln, eine ausführliche Beratung und Tipps und Tricks zum Waschen gibt es in den Pachamama-Kursen zur alternativen Geburtsvorbereitung und den Infoveranstaltungen „windelfrei und Stoffies“ sowie der Elternschule „Zwerg AHOI“.

Bericht von Natalie Häuser, Fotos: privat

Der beste Weg auf die Welt

„Die natürliche Geburt ist ein Risiko für den Arzt.“, heißt es in dem auf dem WDR ausgestrahlten Bericht Kaiserschnitt oder Spontangeburt vom 9.2.2017. (In der ARD Mediathek ist dieser Bericht noch eine Weile online. http://www.ardmediathek.de/tv/tag7/Der-beste-Weg-auf-die-Welt-Kaiserschni/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7543394&documentId=40575438)

Denn wenn bei einer natürlichen Geburt etwas schief geht, muss der Arzt vor Gericht beweisen, dass er keinen Fehler gemacht hat. Somit wird es zum Gewissenskonflikt: Wählt der Arzt die Operation, also den Kaiserschnitt, oder vertraut er auf das Handwerk der Hebammen und Geburtshelfer, die auch bei kleinen Herausforderungen die Frau bestärken und helfen das Kind natürlich auf die Welt zu bringen? Es ist medizinisch eine absolut korrekte Entscheidung, aus organisatorischen Gründen oder aufgrund der Unerfahrenheit des Arztes bei Komplikationen in der Geburtshilfe den Kaiserschnitt zu wählen. Doch wie wir geboren werden prägt uns als Mensch und die Gesundheit der Kinder ein Leben lang. Nicht zu vergessen, die seelischen Folgen für die Frau und werdende Mutter, welche bei der Entscheidungsfindung für die Frau selbst kaum überschaubar sind und daher oft unterschätzt werden. Deshalb gibt die WHO die Empfehlung heraus, die Kaiserschnittrate von 15% nicht zu überschreiten, um ein ausgewogenes Nutzen – Risiko – Verhältnis zu wahren.

Unsere Tipps für deine Geburtsentscheidung:
  • Suche dir so früh wie möglich eine Hebamme, im 2. oder 3. Monat ist genau richtig! – Sie kann dir deinen Mutterpass bereits jetzt ausstellen und dich natürlich auch in allen relevanten Entscheidungsfragen fachlich kompetent begleiten.
  • Entscheide dich bewusst für einen Geburtsort und mache dich mit ihm vertraut.
  • Informiere dich über physiologische und bio-chemische Prozesse, wie und was Geburt ist und welche Dinge einen guten Geburtsprozess fördern können; (z.B. ruhiger, dunkler Raum; aufrechte Geburtsposition; Massagen…).
  • Erstelle einen Geburtsplan.
  • Nimm die Person deines Vertrauens mit (das muss nicht zwingend der Vater sein). Sie sollte dich in allen Momenten liebevoll und positiv motivieren können und die gesamte Geburt über an deiner Seite sein.
  • Lass dir Mut machende Geburtsgeschichten erzählen.; evtl. auch eine natürliche Geburt anschauen
  • Lehne bewusst Angst machende Berichte ab.
  • Sei dir bewusst, dass DU das Kind auf die Welt bringst und nicht der Arzt.
  • Nutze die Schwangerschaft, um dich mit deinem Körper vertraut zu machen und ihn bzw. dich auf die Geburt vorzubereiten.
  • Sorge für etwas Kraft im Körper, um sich in der Schwangerschaft wohl zu fühlen und für die Geburt ordentlich Power zu haben (z.B. mit Yoga, Tanz)
  • Experimentiere mit deinem Atem und Tönen.; Atem ist Leben und kann die Geburt äußerst angenehm werden lassen.
  • In jeder Schwangeren wohnt eine Geburtsexpertin: Konsultiere sie regelmäßig, um ihr Vertrauen zu lernen.

Am 08.06. 11:00 Uhr startet der nächste Geburtsvorbereitungskurs der „etwas anderen Art“, bei dem es genau um diese Punkte geht. In 5 Stunden arbeiten wir gemeinsam mit dem Körper und erforschen, was so alles in ihm steckt. Dieses Erleben wird mit wissenschaftlich fundierten Informationen bewusst gestärkt und macht euch sicher für den ganz eigenen Weg. Anmeldungen sind noch möglich. (genaue Kursbeschreibung s. Kursangebote)

Für alle bei denen diese Tipps zu spät kommen … die Aufarbeitung eines belastenden Geburtserlebnisses kann in den unterschiedlichsten Lebensmomenten sinnvoll sein. Speziell bei einem Kaiserschnitt gibt es einfache Möglichkeiten in die „Narbenbehandlung“ zu gehen, oder ein Babyheilbad für das Rebonding und den allgemeinen Heilungsprozess zu machen. Im Pachamama-Laden gibt es von Zeit zu Zeit Narbenseminare, einen Kurs für die Verarbeitung von traumatischen Geburtserlebnissen (nächster Termin: 15.03. 13:00 Uhr), sowie die Möglichkeit Babyheilbäder zu Hause in Begleitung durchführen zu lassen.

An dieser Stelle sei die Seite www.bauchgeburt.de empfohlen. Denn „manche Kaiserschnitte hinterlassen mehr Narben, als das Auge sehen kann!“

Der beste Weg, die Reise mit deinem Kind zu gehen ist immer DEIN eigener Weg. Du musst dich von niemanden zu einer Entscheidung zwingen lassen (auch nicht unter der Geburt!), denn du bist eine mündige Person und für dich gilt allein die Arbeit deines Körpers. Du bist die Gebärende. Du bestimmst Deinen Weg. Das heißt vor allem auch: Du übernimmst die Verantwortung für deine eigenen Entscheidungen.

 

(© Titelbild: shutterstock; Feelkoy)

Wieder ein Stück mehr Ich

Natalie Häuser hat bei uns eine Probestunde Bodyworkout & Tragetanz mitgemacht und berichtet warum dieser Sport nicht nur ihrem Körper und ihrer Seele gut tut, sondern auch ihrem Sohn.


Uff! Wer hier nicht ins Schwitzen kommt ist vermutlich ein trainierter Marathonläufer. Es ist Mittwochmorgen und ich stehe in Jogginghose im Pachamama-Laden. Zugegeben, ich bin eher die Kategorie Sportmuffel und es auch schon vor der Schwangerschaft gewesen. Zumindest mein
Fahrrad habe ich regelmäßig ausgeführt. Doch als Neu-Mama ist der Drahtesel natürlich erstmal eingemottet. Ich treibe Sport nur mit meinem Sohn, der lebendigen Hantel, den ich tagtäglich unzählige Male auf meinen Armen oder in der Trage durch sein noch junges Leben schleppe. Dafür brauche ich gute Kondition, also her mit dem Mama-Baby-Sportkurs.

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Tanz- und Bodyworkout-Trainerin Navina kurbelt den Stoffwechsel von uns Muttis kräftig an. Sie weiß aber auch, wie wichtig es ist, meinen bei der Geburt geschwächten Beckenboden zu stärken. Und den spüre ich während des Workouts so intensiv wie nie. Ein ganz anderes Körpergefühl, dass ich schon fast ein bisschen vergessen hatte.
Mein Sohn hat sichtlich Spaß, wird er doch im Takt der Musik eingekuschelt in die Trage in den Rhythmus geschunkelt. Ich spüre meine Muskeln wieder, die während der zehn Monate Schwangerschaft zwar einiges mehr an Kilos zu stemmen hatten, aber nicht trainiert wurden.
Navina geht individuell auf mich ein und überprüft meine Haltung während der Übungen aufmerksam im Spiegel, vor dem wir Mamas alle Problemzonen schonungslos im Blick haben. Doch wir haben alle ähnliches erlebt, sodass Scham oder Unwohlsein voreinander keinen Platz haben. Die Übungen am Boden haben mich inzwischen auf Betriebstemperatur gebracht.

Es ist ein schönes Gefühl sich selbst und seinen Körper, nach den ersten aufregenden Monaten mit dem kleinen Neuzugang, wieder bewusst zu spüren. Die Anstrengung ist nebensächlich. Es macht viel mehr Spaß zu sehen, wie die Babys Nähe und Bewegung genießen und langsam in einen
zufriedenen Schlaf gewippt werden, während ganz nebenbei der Schweiß rinnt und die eine oder andere Kalorie purzelt.

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Nein, hier werde ich die nach gut acht Monaten noch vorhandenen Speckröllchen nicht gänzlich los, dazu gehört mehr als nur ein Trainingstermin in der Woche. Aber hier treffe ich Mamas mit
den gleichen Sorgen und Ängsten, finde Platz für Fitness und Gedankenaustausch gleichermaßen. Ohne das Gefühl mich lächerlich zu machen oder nicht in das Schema der von der Gesellschaft gern gesehenen Super-Mama zu passen. Hier sind mein Sohn und ich einfach nur wir. Mit all unseren Schwächen und unserem eigenen Rhythmus.

So ist die Sportstunde für uns beide ein wenig früher vorbei. Ohne das eine der anderen Kursteilnehmerinnen mir böse Blicke zuwirft, als würde ich mich vor den letzten Übungen drücken wollen. Der junge Mann vor meinem Bauch in der Trage hat Appetit. Zufrieden sieht er nach der
Mahlzeit aus. Und ich bin meinem guten Körpergefühl nach dem Training wieder ein Stück näher gekommen.

von Natalie Häuser

(© Bilder: Natalie Häuser)

Mehr Mut im Neuen Jahr

2017 wird ein wildes Jahr mit mutigen Plänen. Jedenfalls haben wir uns auf die Fahne geschrieben, hinter alte Muster zu schauen und Mut zu machen, die Klamotten zu wechseln.
Fangen wir einmal mit unserer Ladentreppe an. „Warum habt ihr da kein Gitter?“ – Ist eine häufige Frage. Zum anderen erleben wir ganz oft erschrockene Blicke oder gar ein Hinzustürmen zur kleinen Helena (1 Jahr alt), wenn sie sich der Treppe nähert und sie mit Begeisterung im Sturm erobern möchte. Natürlich!

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Natürlich was!?

Natürlich möchte ein Kind seine Umwelt erforschen! Und ein Kind kann das!

Und natürlich erschrecken sich heutige Erwachsene davor. Das allerdings war nicht immer so.

Wir leben in einer Welt, in der jedes Spielzeug erst am besten mit sämtlichen Prüfsiegeln versehen Einzug ins Kinderzimmer erhält. In der Eltern auf die Barrikaden gehen, ist eine Gerätschaft im Kindergarten nicht TÜV zertifiziert, wie z.B. ein Baum. Im Gegensatz dazu erleben wir ganz oft Eltern auf Spielplätzen, die ihre Kinder in sämtlichen Altersstufen überall hinauf heben und dann panisch hinterher springen. Denn jetzt besteht tatsächlich die Gefahr des Herabstürzens!

Kurz: Eltern wollen Gefahrensituationen heute gern per Siegel absichern, statt per Intuition und in Kommunikation mit ihrem Kind und dessen Entwicklung. Bei Kindern entwickelt sich dadurch aber ein ängstlich-neugieriger Ansatz, die Welt zu erforschen.

Also entwirren wir die Idee einmal: Ein Kind entwickelt sich immer in verschiedenen Bereichen: kognitive, motorische, usw. Diese greifen selbstverständlich Hand in Hand. Ein Kind entwickelt auf der motorischen Ebene den Greifreflex, während es z.B. anfängt, nach Nahrungsmitteln zu fassen und diese, angeregt durch Nachahmungsprozesse, zum Mund zu führen. Das hat noch lange nichts mit dem Verlangen nach fester Nahrung zu tun. – Welch absurde moderne Idee! Es ist schlicht weg das Erlernen der nötigen Grundlagen, die eine Voraussetzung sind, um überhaupt anschließend Essen zu können. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, einen Marathon laufen zu können, ohne vorher dafür trainiert zu haben. Parallel dazu reift die neuronale Ebene und perfektioniert dieses Zusammenspiel. Bis eines Tages auch der Schluckreflex so weit ist, dass feste Nahrung die ein oder andere Stillmahlzeit ablösen könnte. Während dieses Zeitfensters konnte nun auch die Darmreifung so weit voran schreiten, dass dieser erst jetzt sinnvoll Stoffe aus fester Nahrung absorbieren kann.

Ähnlich verhält es sich mit der räumlichen Erforschung. Babys liegen und erforschen. Da tut sich verdammt viel im Kopf. Sämtliche Synapsen arbeiten auf Hochtouren. Der Körper fängt an, immer mehr Bewegungen nachzuahmen, – aus Beobachtung wird Umsetzung. Er wird kräftiger und irgendwann entwickelt das Kind das Krabbeln. Nun kommt es im Raum schon schneller vorwärts. Die Muskulatur stützt den noch weichen Knochenapparat. Darum ist es ratsam nicht zu schnell aus einem Baby ein Laufkind machen zu wollen. Alles hat seine Zeit. Kinder finden den Weg allein, wenn wir es ihnen zutrauen. Das ist unsere Aufgabe als Eltern: unserem Kind zu vertrauen, dass es genau das in der Welt schafft, wofür es hier ist. Darum wird ein Kind auch weiter in der freien Raumeroberung mit der Basis des elterlichen Vertrauens die unterschiedlichen Höhen erforschen, ohne der Gefahr von ernsthaften Abstürzen. Viel mehr wissen wir aus aktueller Forschung, dass sich Angst überträgt. Unsichere Eltern machen das Kind unsicher; das Kind reagiert und stürzt. Diese Wahrnehmung kann auch nicht überspielt werden, wie es manche Erwachsene z.B. durch Wegdrehen o.ä. versuchen. Unsere Kinder sind unverblendete Spiegel!

Diesem Wissen entspricht unser Vorleben mittels unserer Ladentreppe: vertraut eurem Kind! Es wird seine eigenen Höhen erforschen. Wer diesen Ablauf einmal beobachtet hat, weiß auch sehr genau, dass das so ist. kein Krabbelkind stürzt auf so einen Abgrund zu. Nein. Es nähert sich an. Dreht und wendet sich. Beobachtet andere Menschen, die die Treppe bereits mühelos auf- und absteigen und wird eines Tages ganz allein die erste Stufe nehmen. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass die Natur auch hier gut vorgesorgt hat. Denn in der Regel untersucht ein Kind Lebensumfelder immer in der Größenordnung, wie es auch mit kleinen Unfällen gut zu Recht kommt. Diese sind ebenfalls wichtig. Denn richtiges Fallen ist ein Überlebensmechanismus, welcher aus Reflex und Lernimpuls besteht. Wir haben heute eine Vielzahl an Kindern, die keine Abfangmechanismen mehr ausführen können, weil Erfahrungsmöglichkeit dazu einfach schon zu früh ausgebremst werden.

Wir können uns fragen, warum die Kopfverletzungen heute bei Kindern wesentlich höher sind, als früher. Dazu gab die Oberärztin der Klinik für Kinderchirurgie von der Berliner Charité Dr. Stefanie Märzheuser in der Zeitschrift „Baby und Familie“ (Ausgabe September 2016; S. 8) ein Interview und zieht sehr klar das Resümee, Eltern seien nicht nachlässiger geworden, eher im Gegenteil: Eltern könnten Verletzungen oft nicht mehr richtig einschätzen. Ihrer Ansicht nach sei ein Problempunkt fehlende Erfahrung, wie sie ursprünglich in Großfamilien ganz natürlich gemacht werden konnten. Und sie ermutigt, dass Kinder im Beisein ihrer Eltern einfach lernen sollten, mit Gefahren umgehen zu können. Was impliziert, dass wir unsere Kinder nicht in unendliche Höhen heben, um sie dann irgendwo auffangen zu müssen, da sie selbst diesen Raum noch gar nicht erobert haben und demnach auch die Höhen gar nicht abschätzen können.

Kinder entwickeln dieses Wissen durch ihre Neugierde und durch Eltern, die ihnen Vertrauen schenken. Eltern dürfen sich freudig in dieses Abenteuer stürzen und ebenfalls mutig ihren eigenen sicheren Stand auf- und ausbauen. Und das heißt auch: manchmal geht es eben nicht höher, als es selbst zu schaffen ist.
Schöne Aussichten!

Ein altes Experiment: die visuelle Klippe.
1960 entwickelten Gibson und Walk das Experiment, bei dem Kinder (abgekürzte Variante) über eine Glasplatte krabbeln sollten. Gelockt von ihrer Mutter sollte versucht werden, ob das Kind diese Hürde erkennt und nimmt. Krabbelkinder hielten stets vor diesem Abgrund an. Selbst der Tastsinn – fester Untergrund durch Glasplatte – war kein Garant dafür, sicher auf die andere Seite zu gelangen. M.E. spricht dies ebenfalls für ein altes Sicherungsprogramm im Zellgedächtnis. Denn Glasplatten sind in Betracht zur menschlichen Evolution noch nicht sehr alt.
Ungefähr mit 6 Monaten entwickelt sich bei Kindern die Einschätzungsmöglichkeit für Entfernungen. Kaum ein Kind kann vorher krabbeln. Somit ist die Gefahr einer Fehleinschätzung am Abgrund nicht gegeben.

Also liebe Eltern, mehr Mut zur eigenen Intuition! Schaut euch an, was euer Kind schon alles kann.

Bis bald, auf unserer Ladentreppe …

 

(© Bilder: M. Böhm)