Ein Urwald entsteht

Seit etwa zwei Wochen sind fleißige Helfer dabei, den Laden in einen kleinen Urwald zu verwandeln. Die unterschiedlichen Grüntöne sehen jetzt noch sehr knallig aus und zeigen erst mit Einrichtung ihre volle Wirkung. Regale und Sitzgelegenheit müssen noch bis zur nächsten Woche warten. Derweil macht sich Künstlerin Kathrin Evert an die Arbeit und gibt zahlreichen tragenden Dschungeltieren ein Gesicht.

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Urwald und Tragen gehört ja mehr zusammen als Einige denken. Wusstet ihr, dass wir Menschen eigentlich Traglinge sind und Kinder beim Tragen ihr Urvertrauen stärken? Jean Liedloff hat dieses Phänomen in ihrem Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ schon 1975 aufgeschrieben, nachdem sie zwei Jahre bei den Ureinwohnern Venezuelas verbrachte. Das Urvertrauen hat sehr viel mit Selbstvertrauen und vor allem Selbstständigkeit zu tun. Wir verwöhnen unsere Kinder also nicht, indem wir sie tragen, sondern geben ihnen – im Gegenteil – die besten Voraussetzungen, um sich zu einem selbstständigen Menschen zu entwickeln. Tragen fördert Körper und Geist. Wir geben den kleinen Wesen die Sicherheit, dass Mama, Papa oder andere Bezugspersonen immer da sind. Kein Säbelzahntiger kann sie wegfressen… na gut, es gibt keine Säbelzahntiger mehr. Aber woher sollen diese kleinen Geschöpfe das wissen? Bei ihnen ist immer noch das Urprogramm an: Mama weg – Kontaktweinen an.
Sie sind stets bei allem, was wir tun, dabei und lernen so von ganz allein wie unsere Welt funktioniert. Allein durch Nachahmung der Bezugsperson. Ohne dabei im Mittelpunkt zu stehen. Die körperliche Nähe zu einer Bezugsperson lässt sie außerdem Umweltreize als Anregungen und nicht als Stress erleben. Sämtliche Sinne werden beim Tragen angeregt: Hören (Mamas Stimme), Riechen (Mamas Körpergeruch), Sehen (Mamas Mimik), Schmecken (Mamas salzige Haut), Tasten (Grenzen spüren im Tuch genauso wie damals im Bauch der Mama).
Die Bewegungen des Trägers gleicht das Kind im Tragetuch oder der Trage mit Körper und Gelenken aus. Dadurch werden Muskeln gestärkt und die Hüftgelenkspfanne kann optimal ausreifen – denn die Anhock-Spreiz-Haltung ist im Tragetuch bzw. einer guten Tragehilfe immer gewährleistet. Auch der Rundrücken entlastet die Wirbelsäule, weil Bandscheiben Bewegung brauchen und nur in aufrechter Position das Gewicht optimal abfedern können.
Mit zwei bis drei Jahren durchschnittlich haben Kinder ihr Bedürfnis nach Nähe und Tragen gestillt bzw. den Vorrat soweit aufgeladen, dass sie sich hinaus in die Welt wagen zum Entdecken. Und seien wir ehrlich, Kinder  sind schneller auf und davon als uns lieb ist.