Känguruhen vs Neocams –
Stand der Dinge?

Es ist nun bereits über einen Monat her, als ich ein sehr schönes Telefonat mit Dr. Kössel, Chefarzt der Kinderstation im Klinikum hatte. An dieser Stelle ein fettes Dankeschön!!! für das sehr lange und ausführliche Gespräch! Und natürlich bin ich und sind wir immer für Gespräche bereit.

Da uns diese ersten prägenden Stunden, Tage und Wochen sehr wichtig sind, freut es uns, dass wir erfuhren, dass das Klinikum bereits seit Amtsantritt von Dr. Kössel das Känguruhen eingeführt hat. Uns wurde versichert, dass Elternarbeit gerade auf der Frühchen-/Intensivstation hoch geschrieben wird und es auch keinerlei Besuchszeiten mehr gibt. Heißt: Eltern könnten wohl jederzeit zu ihren Kindern, sie stillen, selbst pflegen und versorgen. Hierbei würden die Eltern, wie wir es in unserem Artikel von anderen Kliniken beschrieben, kompetente Einführung und Begleitung erhalten.

Da seitens der Klinik zudem bedauert wurde, dass wir nicht VOR dem Artikel mit der Klinik gesprochen haben und uns den aktuellen Stand hätten geben lassen, auch hier nochmal die Erklärung: Die Frage zur Spende der Neocams wurde an uns von außen herangetragen. Auch nach einigen Gesprächen wurde hier zu keinem Zeitpunkt ersichtlich, dass die Idee, Neocams für Eltern zur Verfügung zu stellen, von der Klinik initiiert wurde. Viel mehr erschien es uns, als würden Eltern versuchen, irgendwie einen Kontakt zu ihren Kindern zu bekommen, der ihnen in einer ausreichenden Bandbreite verwehrt wäre und so der Versuch, mittels Neocams ihr Kind wenigstens sehen zu können, entstand.

Das in der Klinik Känguruhen bereits seit vielen Jahren, professionell angeleitet und ausführlich für ein gutes Bonding praktiziert werde, war uns ebenfalls neu. Seit fast 10 Jahren arbeite ich mit werdenden Eltern – hauptsächlich ehrenamtlich – und habe leider noch von keinem Elternteil und/oder Fachkraft in diesem Bereich gehört, dass auf der Frühchen-/Intensivstation Känguruhen umgesetzt wird. Die Aussage seitens Herrn Kössel es liegt daran, dass in der Klinik selbst einfach diese Begrifflichkeit nicht genutzt wird, ist durchaus plausibel. Allerdings erkläre ich die Methode immer, wenn ich mit Eltern im Gespräch bin und dann müsste doch eine Ähnlichkeit erkennbar sein?

Daher ist mein Vorschlag, dass wir gemeinsam einen öffentlichen Artikel dazu machen. Denn diese tollen Praktiken der Neonatologie scheinen bei vielen Eltern nicht angekommen und es ist schade wenn das einfach so untergeht. Immerhin geht es hier um gesundheitliche Effekte, die viele Jahre nach dem Verlassen der Klinik Spuren bei Eltern und Kindern hinterlässt! Außer Frage bleibt, dass es immer Ausnahmefälle gibt, bei denen diese Methode nicht umgesetzt werden kann.

Herr Kössel wollte bezüglich unseres Artikels „Neocams vs Känguruhen“ eine öffentliche Stellungnahme abgeben, die wir hier gerne mit einbinden werden, sobald diese erscheint. Leider konnten wir bis jetzt keine finden. Wir würden die Klinik gerne wieder ins rechte Licht rücken und so die Elternarbeit unterstützen. Zudem werden wir mit weiteren Aussagen abwarten, denn wir möchten nicht den Aussagen der Klinik diesbezüglich vorgreifen. Wir warten also auf die öffentliche Stellungnahme und hängen sie dann hier an.

Wir freuen uns auf eine tolle gemeinsame bondigorientierte Arbeit für und mit Eltern, die auch von der Klinik unterstütz wird. Vielleicht dürfen wir uns die Tatsachen ja auch ab und an live anschauen oder erfahren von Eltern, wie die Umsetzung war. Das würde uns sehr freuen.

 

Text: Navina Salomon
Bild: istockphoto; hansenn