1 Jahr pachamama – ein Resümee

Seit einem Jahr kümmern sich Madelaine Böhm (31) und Navina Salomon (34) im Pachamama-Laden um Frauen mit Babys, Frauen ohne Babys, Frauen in der Schwangerschaft, aber auch Papas und Großeltern finden hier Hilfe und Informationen rund um das Leben als Familie. Madelaine Böhm erzählt im Interview über das erste Jahr als Ladenbesitzerin.

Wie zufrieden bist du mit der aktuellen Situation?
Der August war bisher der beste Monat. Nicht nur vom Umsatz her, sondern weil viele Brandenburger im Laden waren und auch wiederkommen. Manchmal wünsche ich mir jedoch, dass noch mehr Frauen und Familien einfach mal in den Laden schnuppern kommen. Es ist noch Luft nach oben. Ich wurde vorher allerdings gewarnt, dass Ladenbesitzer es hier nicht einfach haben.

Wie überbrückst du finanzielle Engpässe?
Mein Privatleben kann ich durch den Laden bisher nicht finanzieren. Und da bin ich sicherlich nicht die einzige Unternehmerin, der es so geht. Man muss es aber auch mal aussprechen, um die Leute darauf aufmerksam zu machen. Zurzeit wird alles was ich im Laden umsetze, wieder in neue Ware investiert.

Wie würdest du deinen Laden für jemanden beschreiben, der noch nicht vor Ort war?
Gemütlich. Mit Platz zum Stillen, Wickeln und Spielen. Ein Laden voll mit Produkten und Kursangeboten die Anregen auch mal was Neues auszuprobieren.

Was glaubst du ist der Grund, dass viele Kunden deiner Zielgruppe den Laden noch nicht entdeckt haben?
Einerseits die eingeschränkten Ladenöffnungszeiten. Das ist leider für mich als alleinerziehende Mutter momentan nicht anders zu stemmen. Andererseits stelle ich fest, dass die Hemmschwelle den Laden zu betreten noch immer sehr groß ist. Dabei haben auch Kinderwagen bei uns Platz. Einige kommen erst zu uns, wenn sie zum Beispiel schon eine Trage gekauft haben und bemerken, dass es für sie oder das Kind unbequem ist. Der direkte Kontakt vorab wird gescheut. Oder wir beraten die Kunden und sie kaufen dann im Internet. Das Internet ist generell für die Einzelhändler vor Ort die größte Konkurrenz.

Oder ist Tragen vielleicht nur eine kurzweilige Modeerscheinung?
Nein. Nagelstudios sind für mich eine Modeerscheinung.

Was ist das besondere am Tragen und warum sollte man sich im Pachamama-Laden beraten lassen?
Ich würde schätzen, dass etwa 20 Prozent der Brandenburger ihre Kinder überwiegend tragen. 10 Prozent davon tragen sichtlich unbequem. Uns geht es dabei nicht primär um den praktischen Effekt, sondern vor allem ums Kind. Für mich persönlich ist Tragen die Grundlage der Erziehung. Wir Menschen sind Traglinge. Diese enge Bindung macht uns zu sozialen Wesen. Es entsteht eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wer bei uns eine Trageberatung bucht, bekommt alle wichtigen Infos und Handgriffe auf den Weg, damit Kind und Eltern es gleichermaßen genießen können.

Wie möchtest du noch mehr Kunden erreichen?
Ein Laden muss wachsen und deshalb erweitern wir ständig das Sortiment und passen die Kursangebote an. Wir gehen Kooperationen ein und ermöglichen zum Beispiel die Kinderbetreuung in der Innenstadt gemeinsam mit dem Citymanagement, eine Krabbelgruppe mit der Agentur für Kinderbetreuung KinderZeit und eine Selbsthilfegruppe für Eltern mit Frühchen mit der Caritas. Eine bessere Kooperation mit den Hebammen vor Ort wäre wünschenswert.

Wir betreuen außerdem einen Blog und haben kürzlich eine deutschlandweite Fachzeitschrift (www.adelene-magazin.de) herausgebracht.

Aber es ist gar nicht so einfach diesen Anlaufpunkt in der Stadt zu entdecken, wenn nicht auch vonseiten der Stadt mehr getan wird. So geht es auch anderen kleinen Geschäften in Brandenburg. In Gedanken träume ich von einer autofreien Innenstadt. Somit sind die Kunden angehalten wieder einmal „bummeln“ zu gehen und entdecken ganz von selbst das ein oder andere Geschäft. Eine Suchmöglichkeit im Internet mit allen Läden und ihrem Sortiment auf der Seite der Stadt würde sich ebenfalls lohnen. Quasi ein Brandenburg-Google.

Wer lokal einkauft erhält eine lebendige Innenstadt. Es wäre schade, wenn viele kleine Läden schließen müssen, damit geht auch ein gewisses Flair verloren.

Was möchtest du den Brandenburgern noch mit auf den Weg geben?
Im Pachamama-Laden werden Produkte verkauft, von denen man dauerhaft profitiert. Und falls Fragen aufkommen sind wir da, um sie zu beantworten. Wir sind aber nicht nur Geschäft, sondern auch Treffpunkt. Einfach mal reinkommen und sich umschauen, sich mit anderen austauschen und auch neue Ansätze entdecken. So sind hier schon viele neue Bekanntschaften entstanden.

Anlässlich unseres einjährigen Bestehens am 7. September gibt es 10 % Rabatt auf unsere Produkte und Kursangebote. Wir freuen uns auf viele Besucher.

 

Ein Interview von Natalie Preißler.